Die Schubkarre

Nur mal so mulitkulti vorne weg: in Österreich heißt die Schubkarre „Scheibtruhe“. Ansonsten meine ich das Gerät, was vorne ein Rad hat (das gibt es auch mit zwei Rädern) und hinten zwei Füße und oben drauf eine Wanne. Auf der Seite der Füße gibt es zwei Griffe, mit denen man die Karre anheben kann und dann geht es vorwärts.

„Kannste Karre schieben, kannste Arbeit kriegen.“ (Sprichwort meines Vaters) Ich vermute ja, dass die Schubkarre gleich nach der Erfindung des Rades kreirt worden ist. Sie ist jedenfalls das Multifunktionstool schlechthin. Ganz gleich, was man transportieren will, fast alles passt irgendwie in oder auf eine Schubkarre. Das macht sie bei uns auch zu potentiellen Lagerplätzen. Wir haben fünf Schubkarren und gefühlt ist jede Karre voll. Bis auf die Karre mit dem platten Rad. Das ist die Achillesferse der Schubkarre – das Rad. Handelsüblich wird die Karre mit einem Reifen mit Schlauch innen ausgeliefert. Das fährt sich schön, geht aber leider auch kaputt. Aber Schubkarrenliebhaber haben das unkaputtbare Rad erfunden. Es ist aus Vollgummi und ihm machen keine gefährlichen Untergründe was aus. Dafür hoppelt die Karre etwas mehr. Das gibt sich aber, wenn man schwere Dinge transportiert.

Die Schubkarre ist aus dem Blickfeld des Städters verschwunden. Das liegt vermutlich daran, dass man sie nicht zusammenfalten kann. Sie nimmt auch viel Platz im Eingangsflur weg. Außerdem ist sie schnell mal geklaut. Auch in der Stadt kann jeder eine Schubkarre gebrauchen. Wenn man die Schubkarre in den Kofferraum eines Autos packen könnte, dann wäre jedes Landei bei Ikea sofort zu erkennen – es käme mit der Schubkarre.

Für die Schubkarre gibt es ein paar angepasste Designs und Tools. Bei den Pferdeleuten ist die Karre sehr groß und hat vorne zwei Räder. Außerdem gibt es dann eine Kippfunktion. Und mit einem Motor kann man sie auch kaufen. Der durchschnittliche Gartenbesitzer schiebt aber selbst. Man muss nicht lange üben, um durch schmale Gänge und über Hoppelpisten zu kommen. Und wenn es sich nicht um die alte DDR-Karre handelt, kann man sie auch mal eben hochheben, um das Ziel zu erreichen. Ansonsten hat sich an dem Aussehen der Schubkarre, seit ich denken kann, nichts verändert. Es gibt einfach Dinge, deren Funktionalität und Design einfach so perfekt sind, dass sie bleiben wie sie sind.

Mehr Strom

Früher war das wohl anders. Also anders mit dem Strom auf dem Land. Überhaupt war vor 50 Jahren Strom ein kann und kein muss. Heute geht alles mit Strom. Wenn man will kann man sogar die Tür mit Strom öffnen, die Kinder mit Strom wecken lassen und dem Hund mit Strom sein Futter geben. Und da ist kein Unterschied mehr ob Stadt oder Land.

Auf dem Land ist es aber einfacher seinen Strom selbst zu produzieren. Es gibt so kleine Windräder, die nicht mal eine besondere Zulassung brauchen. Allerdings nimmt eventuell der örtliche Stromvertreiber den überschüssigen Strom nicht ab, weil diese Dinger irgendein Zertifikat nicht haben oder potentiell gefährlich sind. Die ganz alte Sache mit dem Göpel hat schon damals nicht funktioniert. So ein Göpel wird durch Pferdekraft am Laufen gehalten. Das ist nicht besonders pferdeschonend, weil die Pferde ständig im Kreis laufen müssen. Und sehr effektiv ist es auch nicht, weil so ein Göpel auch nicht viel Strom produziert. Photovoltaik, also Solarplatten sind hingegen unproblematisch. Bis 30kW muss der örtliche Stromvertreiber einem den Strom sogar abkaufen. Der Preis dafür ist demnächst allerdings nicht mehr festgenagelt. Und da kann es sein, dass man als Mini-Produzent mit Mini-Beiträgen abgespeist wird. Wie im richtigen Leben sonst auch, also gefühlt.

Wir produzieren unseren eigenen Strom. Und wir würden gerne mehr produzieren. Aber das bezahlt einem ja keiner. Ich frage mich, warum man als Befürworter der Energiewende mit dem Willen zu Solarplatten auf dem Dach und Windrädern im Garten, erstmal selbst bezahlen muss. Und auf jeden Fall trägt man das Risiko alleine. Mit ein bisschen Glück bekommt man die Kosten für die Anlage nach 20 Jahren wieder raus. Der Aufwand für das angemeldete Gewerbe, die Umbaukosten am Haus oder eventuelle Schäden, die man dem Hersteller nicht in die Schuhe schieben kann, bleibt an einem selbst hängen. Irgendwie ist das ganze nicht durchdacht. Und da steigt auch der kleine Gedankenteufel auf, dass es vielleicht von manchen nicht gewollt ist.

Ich hätte jedenfalls Dachflächen zu verpachten. Als Zahlung nehme ich gerne den Strom in dem Moment ab, wo er produziert wird. Hat jemand Interesse?

Mein Auto bleibt

Ich schiebe gleich vorweg, dass ich auf hohem Niveau jammere, wenn ich es denn tue. Ich stelle aber mal wieder fest, dass man sich das Leben auf dem Land leisten können muss. Wenn der Städter auf billigen Wohnraum auf großer Fläche schaut, vergisst er häufig, dass die Kosten an anderer Stelle entstehen.

Aktuell entstehen die Kosten an der Zapfsäule. Ich bin schon vorher ein Auto gefahren, dessen Wert sich bei einer Tankfüllung verdoppelt hat, jetzt verdreifacht er sich. Zum Glück lässt sich mein Tankdeckel abschließen, ansonsten würde ich mich beim Parken an der Straße nicht sicher fühlen. Zum Glück steht das Auto die meiste Zeit auf dem Hof. Und jetzt steht es eben noch ein bisschen mehr. Das ist dem Auto vorher schon nicht so gut bekommen, aber ich will auch nicht unnötig den kostbaren Sprit verfahren. Jetzt geht es darum genau Pläne zu schmieden, wenn eine Fahrt in die Stadt ansteht. Der regelmäßige Termin beim Physiotherapeuten wird selbstverständlich mit dem Einkauf verbunden. Wenn ich es geschickt anstelle, dann kann ich sogar noch eine Freundin besuchen. Schwieriger ist es mit anderen Arztterminen. Bei den Ärzten hat man ja kaum die Wahl eines Termins, sondern muss nehmen was man bekommt. Um so wichtiger ist es dann seinen Einkaufszettel aktuell zu haben und die Arbeitszeiten der FreundInnen im Blick. Zum Glück kann man Freizeitangebote online checken, so dass auch hier Kombinationspotential ist. Da schafft man es vielleicht zur Demo nach dem Arzt.

Und wie ist es mit alternativen Fortbewegungsmitteln? Eine Influenzerin hat passend bemerkt, dass ein Pferd immer noch teurer ist als ein Auto. Da hat sie recht. Außerdem ist die Infrastruktur der Städte einfach nicht mehr auf Pferde ausgelegt. Das Fahrrad ist flexibel, schnell und kostengünstig (also bis auf den Kauf). Aber ich bin wetterfühlig und unsportlich. Und spätestens beim Lastentransport verliert das Fahrrad. Das wäre nur etwas für den Freizeitbereich. Was ist mit den Öffis? Hier fährt jede Stunde ein Bus, wenn ich es rechtzeitig anmelde. Wenn ich mich recht erinnere, sogar bis Abends um sieben. Die Transportmöglichkeiten sind auch hier begrenzt und hoher Spritpreis hin oder her – es ist immer noch teurer mit dem Bus als die 20km mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Je größer die Entfernung, desto eher lohnt sich der Umstieg. Die 150km in die Großstadt sind mit der Bahn jetzt deutlich billiger. Das klappt aber nicht von der Haustür aus. Oder besser gesagt, das ist extrem umständlich. Doch es rechnet sich auch noch, wenn man zur nächsten Bahnstation mit dem Auto fährt und von da aus umsteigt.

Ergo – mein Auto bleibt.

Recht und billig?

Manchmal habe ich mit Freunden, die in der Stadt wohnen und auch von da stammen merkwürde Diskussionen. Dann springt mich mitunter ein Thema an, dass anscheinend in der Stadt und auf dem Dorf unterschiedliche Auswirkungen hat.

Dieses Mal ging es darum, wann man wo im Recht ist. Da gibt es den privaten Parkplatz, der in der Stadt sehr kostbar ist. Ist er unberechtigt zugeparkt, ruft man den Abschleppdienst. Auf dem Dorf klingelt man an der Haustür, vor dem das Auto steht, geht durch die Hintertür rein oder brüllt: „Kannst du mal deine Karre wegfahren?“. Oder auch das Ruhegebot am Abend oder am Sonntag. Brüllt man in der Stadt aus dem Fenster: „Mach mal deinen Laubpuster aus?“? Hier wirft man am nächsten Sonntag einfach die Flex an, wenn der Nachbar letzten Sonntag mit dem Bagger seinen Swimmingpool ausgehoben hat. Ich erinnere mich noch, wie der Trettrecker meiner Kinder eines Tages verschwunden war. Es war kurz nach dem Abholtermin vom Sperrmüll, der damals noch an fixen Tagen zweimal im Jahr kam. Das hatte zur Folge, dass an den Tagen Autos mit osteuropäischen Kennzeichen durch die Straßen fuhren und den Sperrmüll nach brauchbaren Gegenständen absuchten. Das gibt es so leider nicht mehr, aber das ist hier ja nicht das Thema. Jedenfalls war ich der Ansicht, dass der Trettrecker jetzt ein Kind in Rumänien glücklich machte. Tatsächlich war es aber ein Kind aus dem Dorf, dass den Kindertrecker entführt hatte. Der Trecker durfte da bleiben. Inzwischen ist dieses Kind groß und kommt noch ab und an ins Dorf. Vielleicht sollte ich jetzt mal mit ihm reden und fragen, ob mein Überlassen für ihn in Ordnung war.

Im Großen und Ganzen werden die Dinge im Dorf möglichst ohne Einschalten der Polizei geregelt. Das funktioniert nicht immer. Wenn ein schräger Vogel im Dorf andere regelmäßig körperlich bedroht, dann ist da auch mal Schluss. Aber solange nur ab und an ein Huhn verschwindet und den Kochtopf des schwer trinkenden Dorfbewohners bereichert, ist man durchaus großzügig. Und wenn die Jugendlichen ohne Helm mit ihren Simsons oder ähnlichen Zweirädern durch die Straße knattern, dann fällt mir ein, dass mein damals Zwölfjähriger alle Weglampen auf dem Hof mit dem großen Trecker umgemäht hat.

Aber hier ist auch kein rechtsfreier Raum. Eher kann man es als eigene Interpretation von Recht und Gesetz bezeichnen. Wie wir als junges Ehepaar in das Haus gezogen sind, haben wir unseren Rinnstein nicht sauber gemacht. Anfangs wussten wir es nicht und danach fragten wir uns, warum das die Gemeinde nicht selbst tut. Der damalige Bürgermeister kam zu uns, und bat uns den Rinnstein zu fegen. Wir waren empört. Heute gehe ich schon mal zu den Leuten und bitte sie den Rinnstein zu säubern. Und ich erkläre ihnen auch warum. Das Zusammenleben funktioniert einfach besser, wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt. Und dazu gehört auch, dass man sich mal was sagen lassen muss. Mir ist es lieber, wenn der Nachbar mich darauf hinweist, als dass die Polizei vor der Tür steht.

So ganz ohne die Ordnungshüter geht es auch nicht. Manche Dinge sind eine Nummer zu groß. Manchmal werden sie aber auch größer gemacht, als nötig. Letztes Jahr klingelte die Polizei bei mir an der Haustür. Es wäre gemeldet worden, dass illegal Abfall verbrannt werden würde. Ich war konsterniert. Wenn es bei uns brennt, wäre es nett die Feuerwehr zu rufen. Und noch mutiger wäre es gewesen, selbst an meiner Haustür zu klingeln. Die Ursache vom Brand war ein Heuballen, der sich selbst entzündet hatte. Mein Mann hatte es bereits bemerkt und war beim Löschen. Sonst hätten wir womöglich doch die Feuerwehr gebraucht und nicht die Polizei. Aber besser es hat überhaupt jemand bemerkt, als dass es weiter gebrannt hätte.

Petition für schlechte Straßen

Aus aktuellem Anlass möchte ich hier eine Petition erstellen, die sich dafür einsetzt, dass mindestens 10 Prozent der Straßen in einem miserablen Zustand sein sollten.

Die Straßenqualität lässt sich in drei Stufen teilen. Die erste Stufe ist eine gute Straße: Es gibt keine Löcher, der Belag ist glatt, die Straße ist breit genug für zwei Trecker nebeneinander. Die zweite Stufe sind Straßen im Zustand „geht so“. Diese Straßen haben keine Löcher, der Belag darf schon mal wellig sein oder geflickt, Bankette sind ausgefahren, weil man großen Fahrzeugen ausweichen muss. Die dritte Stufe sind Straßen mit Löchern, Flicken, die das Auto wackeln lassen und weggebrochene Bankette. In diese Stufe gehören auch Straßen mit Kopfsteinpflaster.

Nach meinem subjektivem Erkenntnisstand sind die meisten Straßen in Deutschland Stufe zwei. Ich setze mich dafür ein, dass 10% der Straßen der Stufe drei erhalten bleiben.

Begründung: Schlechte Straßen verleiten dazu langsamer zu fahren. Auf schlechten Straßen schlafen Kinder im Auto deutlich besser. Schlechte Straßen bedeuten ausreichend Arbeit für KFZ-Werkstätten. Daran hängen im folgenden auch die Zulieferer. Und seit neuestem weiß ich auch, dass schlechte Straßen, Pferden das Leben retten. Mein Pony hatte ein Darmproblem, dass zu starken Schmerzen führte. Das nennt man Kolik. Mit Hilfe von Medikamenten und einer längeren Fahrt über Straßen der Stufe drei, konnte die Kolik gelöst werden.

Die Bushaltestelle

Wo trifft man sich im Dorf eigentlich? In meinem fortgeschrittenen Alter ist es eine Kneipe, ein Einkaufsmarkt oder der Gartenzaun. Die Jugendlichen haben vielleicht einen Jugendclub, das Gartenhäuschen in einer Familie oder eben die Bushaltestelle.

Hier wird die Bushaltestelle einfach „Bussi“ genannt. Sie liegt zentral im Dorf. Lange bestand sie aus einem Häuschen aus Beton. Da drunter war es trocken und hat gestunken. Außerdem waren die Wände bemalt. Das entsprach wohl nicht den Schönheitsidealen der Erwachsenen. Und so wurde mit viel Geld das Häuschen abgerissen und durch einen luftigen Glasbau ersetzt. Ich persönlich finde es schade. Aber dem Treffpunkt hat es nicht geschadet. Jetzt sitzt die nächste Generation dort auf der Bank.

Sind die Treffpunkte in der Stadt eigentlich anders? In dem Dorf meiner Jugend gab es kein Bushäuschen. Statt dessen haben wir uns auf dem Zaun an der Kirche getroffen, nachdem wir aus allen anderen Örtlichkeiten raus geflogen sind. Der Jugendraum wurde irgendwann umgewidmet. Den Inhabern des Gartenhäuschens waren zwanzig Jugendliche irgendwann zuviel. Und auf dem Dachboden der Garage einer wundervollen alten Tante haben wir für den Heizlüfter im Winter zuviel Strom verbraucht. Auch wenn es sich so anfühlte, aber der Verlust unserer Treffpunkte war nicht wirklich verantwortlich für die Auflösung unserer Clique.

Bei uns gibt es fußläufig erreichbar keine Kneipe mehr. Da muss man schon 5km fahren, bis man zum Stammtisch kommt. Das ist sehr bedauerlich, denn der Stammtisch ist eigentlich die Selbsthilfegruppe auf dem Dorf. Er ist immer noch eher männlich geprägt. Die Frauen haben sich früher in der Kirche getroffen. Aber dies Geschlechter-Trennungen weichen sich auf.

Die Party

Ich bin der festen Überzeugung, dass nur Partys auf dem Dorf, wirklich gute Partys sind. Geht euch das auch so?

Es geht schon mit der Suche nach einer Location los. Nehmen wir den Sportplatz? Also die Wiese hinter dem Kindergarten, wo zwei Tore stehen. Die wird regelmäßig gemäht. Wir können auch hinten im Garten feiern. Wenn man jünger ist, dann trifft man sich an der Kirchenmauer oder in der Bushalthaltestelle. Den Saal kann man auch mieten. Oder man fragt den Nachbarn, ob es in seiner Scheune geht. Auch der See bietet ein schönes Ambiente. Möglichkeiten gibt es reichlich. Der Geldbeutel wird meistens geschont. Die Nachbarn lädt man mit ein oder bietet einen Altenkaffee am Nachmittag an. Je mehr man das ganze Dorf mit einbezieht, desto wahrscheinlicher ist es, dass niemand sich wegen Ruhestörung beklagt.

Bei der weiteren Organisation kommt es darauf an, wie die Erwartungen der Gäste sind. Eine Silberhochzeit feiert man am ehesten im Saal, aber auf der Koppel geht es auch. Die Jugendlichen bevorzugen den See oder den Garten. Für den Altenkaffee eignet sich die die Scheune gut. Genau so unterschiedlich sind dann die Ansprüche an das Essen. Ganz prima klappt es, wenn man eine „Mitbring“-Feier ausruft. Zum Kaffeetrinken wird man sowieso schon von den dörflichen Gästen gefragt, welcher Kuchen mitgebracht werden soll. Oder man wird nicht gefragt, kann sich aber darauf verlassen, dass irgendein Kuchen den Weg zur Feier findet. Bei anderen Feierlichkeiten sollte man den Strom von Grillgut, Salaten oder Nachtisch etwas steuern. Die Reste bleiben nämlich immer beim Gastgeber. Da sitzt man mitunter mehrere Tage auf Nudelsalat, weil so viele Gäste den mitgebracht haben. Und der Ehre halber ist jeder Salat selbstgemacht. Sicherheitshalber sollte man vorher Plastikschachteln mit Deckeln sammeln. In die kommen vor Ende der Feier die Reste und werden gerecht an alle Gäste, die nicht rechtzeitig Nein sagen, verteilt.

Das unangenehmste Problem sind die Dinge, die man wieder los werden will – üblicherweise und hoffentlich auf den Toiletten. Selbst wenn es viel Platz für wenige Party-Gäste gibt, sollte es dafür einen ordentlichen hygienischen Platz geben. Am Ende laufen, wenn Alternativen fehlen, ja doch alle auf das Klo im Haus. Es lohnt sich dafür eine gute Lösung zu finden, denn das Putzen am nächsten Tag, ist einfach kein Spaß. Einfacher ist es hingegen mit den Schlafplätzen, wenn die Gäste unter 40 Jahre sind. Es gibt auch ältere Semester, die das Zelt eine adequate Lösung finden (die sind meistens männlich). Je nachdem, wie sehr einem die Gäste am Herzen liegen, kann man mit ein paar Ersatz-Iso-Matten bis hin zu Luftmatratzen aushelfen. Ansonsten passiert es, dass fünf Leute auf dem Sofa schlafen, weil es auch im August nachts ganz schön kalt draußen ist.

Die meisten Partys sind nur so gut wie die Musik, die läuft. Eine Playlist ist da keine gute Idee. Wenn die Party richtig gut sein soll, dann sucht man einen DJ. Die Musik ist aber auch meistens das größte Problem, im Zusammenleben mit den Nachbarn. Da ist schnell mal die Polizei auf dem Hof, die höflich darauf hinweist, dass es zu laut ist. Es ist daher sehr hilfreich seine Nachbarn auf die Lärmbelästigung rechtzeitig hinzuweisen. Am besten lädt man die ganze Nachbarschaft mit ein. Man kann mit kostenlosem Essen locken, denn davon ist in den meisten Fällen ausreichend da. Kommt die Polizei dennoch, sind Diskussionen sinnlos. Da hilft es nur die Lautstärke runter zu drehen, ein nettes Gespräch mit den Ordnungshütern zu führen und versuchen herauszufinden, wem man denn auf die Füße getreten hat. Entschuldigt man sich am nächsten Tag bei demjenigen, könnte sich das Problem bei der nächsten Feierlichkeit eventuell schon erledigt haben.

Jetzt braucht man nur noch eine hilfreiche Truppe, die beim Aufbauen und Aufräumen hilft. Dann steht der nächsten Party nichts mehr im Weg.

Warum immer ich?

Jetzt ist es also soweit. Ein Podcast, noch ein Podcast und schon wieder höre ich mich quatschen oder sabbeln, wie man in Norddeutschland wohl eher sagen würde. Meine Stimme kommt mir schon lange nicht mehr merkwürdig vor. Seit ich meinen Anrufbeantworter bespreche, kenne ich auch meine Stimmlage. Man gewöhnt es sich ab, die eigene Stimme zu kritisieren. Da ist eh nichts zu ändern.

Aber nach so einigen Folgen, fällt mir doch auf, dass irgendwie ich die komische Figur in dem Hörgenuss bin. Und immer findet Cindy noch was, womit sie mich hochnehmen kann. So wie die Sache mit dem Käsekuchen. Wenn die Aufnahme läuft, dann kann man auch nichts zurück nehmen. Ton auf Band und damit Beweismittel Nummer eins. Ich befürchte fast, dass da noch so einiges im Speicher bei Cindy schlummert, mit dem ich erpressbar bin.

Ich will ja nicht sagen, dass ich in meinem Leben immer nur scheitere, aber es die Momente, in denen es schief läuft, bleiben im Gedächnis hängen. Da hilft es nur den Humor zu bewahren und über sich selbst zu lachen. Für manche ist das die Kunst des Lebens, für mich ist das ein simpler Überlebenstrick. Und im Podcast versuche ich dann was Schlaues zu sagen und es endet immer in Verwicklungen. Ich vergesse auch diverse Themen, die wir angeschnitten haben. Cindy hat das bessere Gedächnis, fragt dann nach und ich komme dann ins Schwimmen, weil ich keinen Plan habe, worum es geht. Ich hatte eine vage Ahnung, dass genau das passieren würde.

Am Ende bleibt die vage Hoffnung, dass ich mich nicht als Mitsprecher dieses Podcasts (Genitiv?) outen muss, bevor ich in Rente bin. Aber das Risiko ist den Spaß bei der Sache wert.

P.S. Die Kategorie „Podcast“ fehlt noch.

Alkohol

Statistisch trinken Jugendliche, die auf dem Dorf wohnen früher und mehr.

Wird auf dem Dorf eigentlich mehr Alkohol getrunken als in der Stadt? Ich will nicht lange drumrumreden – Ja wird es! Da gibt es sogar Statistiken drüber. So kompliziert muss man sich das aber nicht machen. Es genügt vollkommen zum Osterfeuer ins Dorf zu kommen und mal selbst zu gucken. Dabei geht es aber nicht ausfallend oder auffällig zu, nur irgendwie ist so eine Flasche Schnaps erstaunlich schnell leer.

Dieser erhöhte Konsum beruht definitiv nicht auf Langeweile oder Frust. Auf dem Dorf ist es auch nicht notwendig sich Mut anzutrinken, schließlich kennt einen ja eh jeder. Dafür bangt man weniger um seinen Führerschein. Entweder ist man zu Fuß oder mit dem Fahrrad da, oder man wird nach Hause gefahren oder pennt auf dem Sofa bei einem Freund. Es gibt auch die Bierstraßen, aber die waren schon immer der ländlichen Polizei bekannt. Da wo man vor 20 Jahren noch mal durchgewunken wurde, weil man auf der Strecke morgens um eins wirklich niemanden gefährdet hat, wird man heute doch schon mal zum Pusten aufgefordert. Die Zunahme des Autoverkehrs im ländlichen Raum, fordert eben ihren Tribut.

Es gibt auch diverse alkoholische Kuriositäten. Wer mutig ist, trinkt den Selbstgebrannten vom Nachbarn. Wen der Konsum von Kräuter, Pflaume und Korn langweilt, der setzt schon mal Likör an. Das haben wir hier auch schon gemacht. Denn wohin mit dem ganzen Obst im Herbst? Also kam die Quitte in den Wodka und die Wallnuss in den Korn. Das Zeug steht jetzt schon länger bei mir im Regal, weil ich mich kaum traue es anzubieten. Quittenlikör klingt auch auf dem Dorf exotisch. Und ich müsste gegen den Quittenlikör des Nachbarn ankommen. Der war nämlich sehr, sehr gut gelungen. (Die Feier, wo wir ihn probiert haben, übrigens auch – und am Ende war er leer.) Die Wallnuss hingegen ist recht gut gelungen und kommt auch so gut an, dass wir das wiederholt haben. Aber aus unerklärlichen Gründen schmeckt es nie gleich. Meine Kinder haben versucht mir das mit Bio und Physik und dem fehlenden Rezept zu erklären, aber ich finde, wenn man Korn und Wallnuss mischt und Zucker reingibt, sollte es immer gleich schmecken.

Am Ende setze ich auf den Effekt, dass man nach dem dritten Glas eh nicht mehr weiß, was man da trinkt. Und ich schenke mir dann noch einen Eierlikör ein – den Selbstgemachten – von Oma Evi.

Podcast

„So – jetzt hast du ein neues Hobby“ – Cindys Worte heute zu mir. Ich war irgendwas zwischen sprachlos, entsetzt, verwirrt und in Panik. Noch ein neues Hobby? Gerade jetzt? Ich habe doch erst wieder Zeit, wenn ich in Rente bin. Vermutlich haben alle Rentner keine Zeit, weil sie alle Hobbys auf das Rentenalter verschoben haben. Ich habe dagegen JETZT ein neues Hobby. Und das ist wohl der Podcast.

Was ist ein Podcast? Irgendwie sowas wie Radio ohne Musik oder Video ohne Bild oder Hörspiel ohne Spiel. Eine meiner Influencerinnen nannte ihren Podcast „Sprachmemo“. Das ist wie der Anrufbeantworter. Man redet in ein Mikrofon, erhält keine Antwort und irgendwann hört sich das jemand an. Früher hörte man es ab. Vermutlich ist das der Unterschied. Podcasts gibt es für jeden Geschmack. Man findet sie im Internet. Und man kann eine App zum Abspielen der Podcasts auf sein Smartphone laden. Sehr häufig ist dort auch so eine App vorinstalliert. Und dann braucht man nur noch zuhören.

So ganz neu ist das Podcast-Hobby nicht. Ich bin fleißiger Nutzer von dem Content, den andere für das Gehör produzieren. Und ich höre Laber-Podcasts, Informations-Podcasts oder Komedie. Und dann kam Cindy und fragte: Machen wir einen Podcast? Ja klar – einen Laber-Podcast können wir auch. Also ich allein kann das nicht. Cindy ist da ganz professionell ran gegangen. Ein Intro musste zusammengestellt werden, ein YouTube Kanal musste erstellt werden (https://www.youtube.com/channel/UCR2uLeaffnJR1J-vaEpFGgw), ganz zu schweigen von einer professionellen Ausrüstung. Davon habe ich keine Ahnung. Ich hätte wohl einfach eine Sprachmemo aufs Smartphone gesprochen und hochgeladen. Ich ahne, wer hier gleich das Grausen bekommt. Aber ich habe das nie angefangen, da ich nicht noch ein Hobby wollte. Jetzt ist es doch da.

Ich hatte eine vage Ahnung, dass es lustig sein könnte. Und wir haben bei der ersten Aufnahme auch ziemlich gelacht. Und wir hatten richtig Spaß miteinander. Doch dann kam die Premiere. Cindy hatte den Schnitt übernommen und zum ersten Mal tönte der Podcast Mondscheintomate durch meine Lautsprecher. Ich musste mehrmals die Pause-Taste drücken, weil ich vor Lachen vom Stuhl gerutscht bin. Cindy war etwas ratlos. „Können wir das so hochladen?“, fragte sie. Auf jeden Fall!