Die Party

Ich bin der festen Überzeugung, dass nur Partys auf dem Dorf, wirklich gute Partys sind. Geht euch das auch so?

Es geht schon mit der Suche nach einer Location los. Nehmen wir den Sportplatz? Also die Wiese hinter dem Kindergarten, wo zwei Tore stehen. Die wird regelmäßig gemäht. Wir können auch hinten im Garten feiern. Wenn man jünger ist, dann trifft man sich an der Kirchenmauer oder in der Bushalthaltestelle. Den Saal kann man auch mieten. Oder man fragt den Nachbarn, ob es in seiner Scheune geht. Auch der See bietet ein schönes Ambiente. Möglichkeiten gibt es reichlich. Der Geldbeutel wird meistens geschont. Die Nachbarn lädt man mit ein oder bietet einen Altenkaffee am Nachmittag an. Je mehr man das ganze Dorf mit einbezieht, desto wahrscheinlicher ist es, dass niemand sich wegen Ruhestörung beklagt.

Bei der weiteren Organisation kommt es darauf an, wie die Erwartungen der Gäste sind. Eine Silberhochzeit feiert man am ehesten im Saal, aber auf der Koppel geht es auch. Die Jugendlichen bevorzugen den See oder den Garten. Für den Altenkaffee eignet sich die die Scheune gut. Genau so unterschiedlich sind dann die Ansprüche an das Essen. Ganz prima klappt es, wenn man eine „Mitbring“-Feier ausruft. Zum Kaffeetrinken wird man sowieso schon von den dörflichen Gästen gefragt, welcher Kuchen mitgebracht werden soll. Oder man wird nicht gefragt, kann sich aber darauf verlassen, dass irgendein Kuchen den Weg zur Feier findet. Bei anderen Feierlichkeiten sollte man den Strom von Grillgut, Salaten oder Nachtisch etwas steuern. Die Reste bleiben nämlich immer beim Gastgeber. Da sitzt man mitunter mehrere Tage auf Nudelsalat, weil so viele Gäste den mitgebracht haben. Und der Ehre halber ist jeder Salat selbstgemacht. Sicherheitshalber sollte man vorher Plastikschachteln mit Deckeln sammeln. In die kommen vor Ende der Feier die Reste und werden gerecht an alle Gäste, die nicht rechtzeitig Nein sagen, verteilt.

Das unangenehmste Problem sind die Dinge, die man wieder los werden will – üblicherweise und hoffentlich auf den Toiletten. Selbst wenn es viel Platz für wenige Party-Gäste gibt, sollte es dafür einen ordentlichen hygienischen Platz geben. Am Ende laufen, wenn Alternativen fehlen, ja doch alle auf das Klo im Haus. Es lohnt sich dafür eine gute Lösung zu finden, denn das Putzen am nächsten Tag, ist einfach kein Spaß. Einfacher ist es hingegen mit den Schlafplätzen, wenn die Gäste unter 40 Jahre sind. Es gibt auch ältere Semester, die das Zelt eine adequate Lösung finden (die sind meistens männlich). Je nachdem, wie sehr einem die Gäste am Herzen liegen, kann man mit ein paar Ersatz-Iso-Matten bis hin zu Luftmatratzen aushelfen. Ansonsten passiert es, dass fünf Leute auf dem Sofa schlafen, weil es auch im August nachts ganz schön kalt draußen ist.

Die meisten Partys sind nur so gut wie die Musik, die läuft. Eine Playlist ist da keine gute Idee. Wenn die Party richtig gut sein soll, dann sucht man einen DJ. Die Musik ist aber auch meistens das größte Problem, im Zusammenleben mit den Nachbarn. Da ist schnell mal die Polizei auf dem Hof, die höflich darauf hinweist, dass es zu laut ist. Es ist daher sehr hilfreich seine Nachbarn auf die Lärmbelästigung rechtzeitig hinzuweisen. Am besten lädt man die ganze Nachbarschaft mit ein. Man kann mit kostenlosem Essen locken, denn davon ist in den meisten Fällen ausreichend da. Kommt die Polizei dennoch, sind Diskussionen sinnlos. Da hilft es nur die Lautstärke runter zu drehen, ein nettes Gespräch mit den Ordnungshütern zu führen und versuchen herauszufinden, wem man denn auf die Füße getreten hat. Entschuldigt man sich am nächsten Tag bei demjenigen, könnte sich das Problem bei der nächsten Feierlichkeit eventuell schon erledigt haben.

Jetzt braucht man nur noch eine hilfreiche Truppe, die beim Aufbauen und Aufräumen hilft. Dann steht der nächsten Party nichts mehr im Weg.

Eigentum verpflichtet

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
Art 14 

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen. Quelle: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_14.html

So ein Wohnahus mit Grundstück jedenfalls will erhalten und gepflegt werden. Zuerst mal geht es dabei um Eigeninteressen. Man möchte ja schön und ordentlich wohnen und lange halten soll es auch noch. Dann kommen schon die Interessen der Umliegenden. Wie viel merkwürdige Blicke der Nachbarn kann und will man aushalten, weil der Brennesselhorst neben der Einfahrt immer größer wird. Bis hin zu eben den gesetzlichen Vorschriften, die dazu führen, dass wir den Rinnstein vor unserem Grundstück sauber halten müssen.

Regenrinne
vermooste Regenrinne

Immerhin hat der Gesetzgeber eine eher schwammige Formulierung gewählt. Es bleibt ja die Frage offen, ob man den Rasen mähen muss oder nicht. Auf jeden Fall darf man Gebäude auf dem Grundstück nicht einfach verfallen lassen, auch wenn ich das schon anders erlebt habe. Vielleicht gibt es da ja Ausnahmeregelungen, wenn niemand gefährdet wird oder so. Und wie dient denn eigentlich mein Haus und Grund der Allgemeinheit? Wäre da nicht ein offener Blick auf das Grundstück und die schön gepflegte Anlage angemessen? Dann müssten ja alle die schönen Häuser mit hohen Mauern ihr Konzept ändern. Oder sollte einfach nur der Müll und Schrott nicht gerade bis auf die Straße raus wandern? Solche Grundstücke sind nicht gern gesehen. Da beginnt die „Hintenrum- Justiz“ des Dorfes – Lästern.

Die Dorfjustiz sorgt im Großen und Ganzen auch sonst dafür, dass man sich verpflichtet fühlt. Der Rasen, der Baumschnitt, der Blumengarten vor dem Eingang – alles wird von den Nachbarn beäugt und kommentiert. Sehr schöne Grundstücke werden zu Pilgerstätten, die jeden Sonntag einen Ausschank am Hoftor machen könnten, weil so viel Betrachter kommen. Die „Schandflecken“ müssen sich da schon mehr anstrengen. Aber wenn sie wirklich ausreichend Schrott angesammelt haben, dann hat man den gleichen Effekt.

Die Sache hat aber noch ein weiteres moralisches Nachspiel. Eigentum, ganz gleich ob an einem Haus, Pferd oder Kugelschreiber, bindet den Menschen auch. Sie hält dich fest und schränkt dich ein. Je mehr Eigentum, desto weniger Freiheit! Auf der anderen Seite:

Das Eigentum gibt dem Menschen die notwendige Unabhängigkeit und Freiheit, um das Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Es ist Ausdruck und Mittel der individuellen Selbstverwirklichung. Die Freiheit des Individuums bliebe ohne das Eigentum eine leere Formel, weil dem Menschen die materiellen Voraussetzungen selbstständiger und eigenverantwortlicher Daseinsgestaltung fehlen würden. Quelle: https://www.bpb.de/apuz/316452/was-ist-eigentum

Ganz praktisch sieht es so aus. Man wünscht sich das eigene Haus mit einem möglichst großen Grundstück und einem sympathischen Baumbestand. Dann lebt und arbeitet man, harkt die Blätter, pflanzt Blumen und Hecken, reinigt Dachrinnen und Badezimmer. Und im Laufe der Jahre wird das immer beschwerlicher. Das liegt vielleicht auch an der Gebrechlichkeit des Alters, aber auch daran, dass man materielle Dinge immer weniger schätzt. Da wird das geliebte Eigentum zum Killer der Freiheit. Vielleicht es auch nur eine typisch menschliche Entwicklungsphase, das letzte Stück der Pupertät oder so, die einen erkennen lässt:

Der Besitz besitzt. – Nur bis zu einem gewissen Grade macht der Besitz den Menschen unabhängiger, freier; eine Stufe weiter – und der Besitz wird zum Herrn, der Besitzer zum Sklaven. Friedrich Nietzsche