Vom Mauerfall vor 33 Jahren und einem sehr langen Trabi

Vor drei Jahren postete ich anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls den folgenden Text… heute nun wurde ich darum gebeten, diesen Beitrag öffentlich zu machen. Das werde ich auf einem privaten Social-Media-Profil aus Gründen nicht tun… aber wozu gibt es eigentlich Mondscheintomate? Hier passt der Text schließlich auch hin, und überhaupt passt er bis auf die Tatsache, dass der Mauerfall sich heute schon zum 33. Mal jährt, eigentlich noch viel besser als vor drei Jahren:

30 Jahre Mauerfall – und ein „Ossi“ hat nichts Besseres zu tun, als ein Foto von einem „Ostauto“ zu posten? Ich erzähle Euch was: Dieses Foto wäre ohne die Öffnung der Grenze wohl aus diversen Gründen nie entstanden. Heute vor 30 Jahren war ich mit meiner Familie unterwegs von Ost- nach Westdeutschland – nicht jubelnd und feiernd in Berlin, sondern auf der Fähre, weil wir kurz zuvor geflüchtet sind. Wir waren unterwegs mit nicht viel mehr als dem, was wir am Leib hatten – und ebenfalls mit einem Auto aus DDR-Produktion. Ohne die Öffnung der Grenzen wäre ich also heute wohl nicht mit einem „Ostauto“ auf dem Gebiet der ehemaligen DDR unterwegs gewesen – freiwillig.

Der „Trabi XXL“: „Ostauto“ im Großformat

Das Auto auf dem Foto ist nach der Wende so umgebaut worden, wie es jetzt ist: Im Rahmen eines Sozialprojektes mit Jugendlichen, die sonst keine Perspektive hatten. Dann haben diese jungen Leute es mit ihrem Auto bis ins Guinnessbuch der Rekorde und sogar bis in die zugehörige Fernsehshow nach Bayern geschafft – ob das zu DDR-Zeiten möglich gewesen wäre? Ich denke nicht.

In diesem Sinne: Bitte gebt mit mir gemeinsam auf unsere Demokratie acht! Gebt niemandem die Chance, einen Keil zwischen uns, die hier die besten Chancen haben, friedlich miteinander zu leben, zu treiben! Hört auf mit „Ost“ und „West“, mit „Schwarz“ und „Weiß“ und was weiß ich, was man für Gründe finden kann, andere aus Prinzip scheiße zu finden! Lasst uns einfach miteinander Menschen sein – wir haben noch genug zu tun, wenn wir wenigstens das einigermaßen hinbekommen wollen.

Weiterführende Links:

Zum Trabi XXL des MC LWL

Zum Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie

Zur Themenseite des NDR zum Mauerfall

Traditionen

Traditionen ändern sich eigentlich nicht merklich… oder doch? Na ja, vereinzelt haben wir sie neu geschaffen, aber weggefallen sind sie eigentlich immer nur durch größere Ereignisse und dann – zumindest bei mir – eigentlich nie freiwillig.

Diese ganze Pandemie-Sache ist eines dieser Ereignisse: So habe ich letztes Jahr nach Jahren mal wieder Weihnachten nahezu vollständig wegfallen lassen und auch Silvester fielen die netteren Dinge aus und ich habe nur auf die Pferde aufgepasst. Das war nun beides nicht so schlimm und mit ein bisschen Vernunft und rationalem Abwägen meine eigene logische Schlussfolgerung aus der Situation – somit war das für mich völlig in Ordnung und ich war einfach froh, nach dem Urlaub gesund und ohne schlechtes Gewissen oder Sorge vorm Ergebnis des dienstlich vorgeschriebenen Coronatests wieder arbeiten gehen zu können.

Anders ist es mit dem Osterfeuer: Zwar gehe ich nicht mehr zum dazugehörigen Dorffest, weil ich einsehe, dass das während einer Pandemie vielleicht nicht so schlau ist und von hier aus mal eben für zwei Stunden nach Hamburg eiern, um Osterfeuer in Blankenese zu gucken, ist die eine Sache, während mitten in der Nacht wieder nach Hause fahren eine ganz andere ist, also fällt auch das flach.

So ein kleines Feuer zu machen und sich da mit ’nem Bier oder der Gitarre oder auch einfach so dranzusetzen ist aber einfach umzusetzen und kann nicht schaden – erstrecht nicht, weil Osterfeuer die bösen Geister vertreiben sollen und wenn ich gerade irgendetwas nicht gebrauchen kann, sind das auch noch böse Geister.

In diesem Sinne: Schöne Feiertage Euch allen und haltet an Euren Traditionen fest, wenn sie Euch wichtig sind!

Okay – es ist ein sehr kleines Feuer, aber immerhin!

Mehr Strom

Früher war das wohl anders. Also anders mit dem Strom auf dem Land. Überhaupt war vor 50 Jahren Strom ein kann und kein muss. Heute geht alles mit Strom. Wenn man will kann man sogar die Tür mit Strom öffnen, die Kinder mit Strom wecken lassen und dem Hund mit Strom sein Futter geben. Und da ist kein Unterschied mehr ob Stadt oder Land.

Auf dem Land ist es aber einfacher seinen Strom selbst zu produzieren. Es gibt so kleine Windräder, die nicht mal eine besondere Zulassung brauchen. Allerdings nimmt eventuell der örtliche Stromvertreiber den überschüssigen Strom nicht ab, weil diese Dinger irgendein Zertifikat nicht haben oder potentiell gefährlich sind. Die ganz alte Sache mit dem Göpel hat schon damals nicht funktioniert. So ein Göpel wird durch Pferdekraft am Laufen gehalten. Das ist nicht besonders pferdeschonend, weil die Pferde ständig im Kreis laufen müssen. Und sehr effektiv ist es auch nicht, weil so ein Göpel auch nicht viel Strom produziert. Photovoltaik, also Solarplatten sind hingegen unproblematisch. Bis 30kW muss der örtliche Stromvertreiber einem den Strom sogar abkaufen. Der Preis dafür ist demnächst allerdings nicht mehr festgenagelt. Und da kann es sein, dass man als Mini-Produzent mit Mini-Beiträgen abgespeist wird. Wie im richtigen Leben sonst auch, also gefühlt.

Wir produzieren unseren eigenen Strom. Und wir würden gerne mehr produzieren. Aber das bezahlt einem ja keiner. Ich frage mich, warum man als Befürworter der Energiewende mit dem Willen zu Solarplatten auf dem Dach und Windrädern im Garten, erstmal selbst bezahlen muss. Und auf jeden Fall trägt man das Risiko alleine. Mit ein bisschen Glück bekommt man die Kosten für die Anlage nach 20 Jahren wieder raus. Der Aufwand für das angemeldete Gewerbe, die Umbaukosten am Haus oder eventuelle Schäden, die man dem Hersteller nicht in die Schuhe schieben kann, bleibt an einem selbst hängen. Irgendwie ist das ganze nicht durchdacht. Und da steigt auch der kleine Gedankenteufel auf, dass es vielleicht von manchen nicht gewollt ist.

Ich hätte jedenfalls Dachflächen zu verpachten. Als Zahlung nehme ich gerne den Strom in dem Moment ab, wo er produziert wird. Hat jemand Interesse?

Recht und billig?

Manchmal habe ich mit Freunden, die in der Stadt wohnen und auch von da stammen merkwürde Diskussionen. Dann springt mich mitunter ein Thema an, dass anscheinend in der Stadt und auf dem Dorf unterschiedliche Auswirkungen hat.

Dieses Mal ging es darum, wann man wo im Recht ist. Da gibt es den privaten Parkplatz, der in der Stadt sehr kostbar ist. Ist er unberechtigt zugeparkt, ruft man den Abschleppdienst. Auf dem Dorf klingelt man an der Haustür, vor dem das Auto steht, geht durch die Hintertür rein oder brüllt: „Kannst du mal deine Karre wegfahren?“. Oder auch das Ruhegebot am Abend oder am Sonntag. Brüllt man in der Stadt aus dem Fenster: „Mach mal deinen Laubpuster aus?“? Hier wirft man am nächsten Sonntag einfach die Flex an, wenn der Nachbar letzten Sonntag mit dem Bagger seinen Swimmingpool ausgehoben hat. Ich erinnere mich noch, wie der Trettrecker meiner Kinder eines Tages verschwunden war. Es war kurz nach dem Abholtermin vom Sperrmüll, der damals noch an fixen Tagen zweimal im Jahr kam. Das hatte zur Folge, dass an den Tagen Autos mit osteuropäischen Kennzeichen durch die Straßen fuhren und den Sperrmüll nach brauchbaren Gegenständen absuchten. Das gibt es so leider nicht mehr, aber das ist hier ja nicht das Thema. Jedenfalls war ich der Ansicht, dass der Trettrecker jetzt ein Kind in Rumänien glücklich machte. Tatsächlich war es aber ein Kind aus dem Dorf, dass den Kindertrecker entführt hatte. Der Trecker durfte da bleiben. Inzwischen ist dieses Kind groß und kommt noch ab und an ins Dorf. Vielleicht sollte ich jetzt mal mit ihm reden und fragen, ob mein Überlassen für ihn in Ordnung war.

Im Großen und Ganzen werden die Dinge im Dorf möglichst ohne Einschalten der Polizei geregelt. Das funktioniert nicht immer. Wenn ein schräger Vogel im Dorf andere regelmäßig körperlich bedroht, dann ist da auch mal Schluss. Aber solange nur ab und an ein Huhn verschwindet und den Kochtopf des schwer trinkenden Dorfbewohners bereichert, ist man durchaus großzügig. Und wenn die Jugendlichen ohne Helm mit ihren Simsons oder ähnlichen Zweirädern durch die Straße knattern, dann fällt mir ein, dass mein damals Zwölfjähriger alle Weglampen auf dem Hof mit dem großen Trecker umgemäht hat.

Aber hier ist auch kein rechtsfreier Raum. Eher kann man es als eigene Interpretation von Recht und Gesetz bezeichnen. Wie wir als junges Ehepaar in das Haus gezogen sind, haben wir unseren Rinnstein nicht sauber gemacht. Anfangs wussten wir es nicht und danach fragten wir uns, warum das die Gemeinde nicht selbst tut. Der damalige Bürgermeister kam zu uns, und bat uns den Rinnstein zu fegen. Wir waren empört. Heute gehe ich schon mal zu den Leuten und bitte sie den Rinnstein zu säubern. Und ich erkläre ihnen auch warum. Das Zusammenleben funktioniert einfach besser, wenn jeder seinen kleinen Teil dazu beiträgt. Und dazu gehört auch, dass man sich mal was sagen lassen muss. Mir ist es lieber, wenn der Nachbar mich darauf hinweist, als dass die Polizei vor der Tür steht.

So ganz ohne die Ordnungshüter geht es auch nicht. Manche Dinge sind eine Nummer zu groß. Manchmal werden sie aber auch größer gemacht, als nötig. Letztes Jahr klingelte die Polizei bei mir an der Haustür. Es wäre gemeldet worden, dass illegal Abfall verbrannt werden würde. Ich war konsterniert. Wenn es bei uns brennt, wäre es nett die Feuerwehr zu rufen. Und noch mutiger wäre es gewesen, selbst an meiner Haustür zu klingeln. Die Ursache vom Brand war ein Heuballen, der sich selbst entzündet hatte. Mein Mann hatte es bereits bemerkt und war beim Löschen. Sonst hätten wir womöglich doch die Feuerwehr gebraucht und nicht die Polizei. Aber besser es hat überhaupt jemand bemerkt, als dass es weiter gebrannt hätte.

Guter Vorsatz zur guten Tat in jeglicher Hinsicht: Bitte besorgt Euch einen Organspendeausweis!

Nein – das hier soll jetzt gar kein Aufruf zum Thema Organspende an sich werden, auch, wenn ich generell der Ansicht bin, dass man Dinge nicht wegwirft, wenn sie jemand anderes noch gebrauchen kann und meine persönliche Entscheidung zum Thema Organspende davon maßgeblich beeinflusst ist. Es geht mir vielmehr darum, einmal ins Bewusstsein der Menschen zu rufen, die ich auf diesem Wege halt so erreichen kann, dass ein Organspendeausweis nicht „nur“ eine Hilfe für fremde Menschen sein kann, denen durch eine Spende das Leben gerettet oder wenigstens maßgeblich in seiner Qualität gesteigert werden kann, sondern Ihr helft vorsorglich schon jetzt, wenn Ihr bewusst und aktiv darüber nachdenken könnt, wie Ihr dazu steht, Euren Angehörigen, die im Falle des Falles dazu befragt würden, wie Ihr das denn alles hättet handhaben wollen mit der Organspende. Diese Frage wurde mir übrigens bereits gestellt und ich möchte das ehrlich gesagt kein zweites Mal erleben!

Auf einem solchen Organspendeausweis kann man übrigens auch festlegen, dass man nichts spendet oder etwas Bestimmtes nicht spendet oder dass das im Falle des Falles eine bestimmte andere Person entscheidet… Ihr seid also zu nichts gezwungen und müsst Euch im Grunde nicht einmal endgültig festlegen. Bitte sprecht aber in jedem Fall mit Euren engsten Angehörigen darüber, was Ihr Euch für den Fall der Fälle wünscht – so verhindert Ihr Missverständnisse und Verwirrung in einer ohnehin schon schwierigen Situation, die sich zwar niemand wünscht, zu der es aber nun einmal jederzeit kommen könnte.

Ich selbst hatte einen solchen Ausweis übrigens schon seit Jahren, allerdings war die Adresse mittlerweile veraltet und mein einziger „guter Vorsatz“ für dieses Jahr war somit, das Teil mal zu erneuern, zumal es die jetzt in solch einem schönen Kartenformat gibt.

In diesem Sinne: Challenge accomplished…

Kann Leben retten: Mein Organspendeausweis.

Die Sache mit den Klößen: Ein Weihnachts-Blogpost

Nein, an dieser Stelle folgt nun kein Gedicht von Erich Kästner… ich muss bloß mal eine Sache loswerden und die hat mit Klößen zu tun.

Ungefähr einmal im Jahr esse ich Kartoffelklöße… von den familiären Weihnachtstraditionen ist hier sonst nicht viel übrig geblieben, aber Rotkohl mit Klößen muss sein. Üblicherweise kaufe ich dafür Kochbeutel-Klöße… auch, wenn ich das (falls ich es mal außerhalb der Weihnachtszeit mache) sonst auch anders kann und die Dinger sogar schon selbstgemacht habe – Kochbeutel-Klöße gehören zu Weihnachten wie Berliner zu Silvester und Katastrophen zum Geburtstag, das ist quasi untrennbar – und so zog ich auch in diesem Jahr los und kaufte Klöße.

Doch dieses Jahr sollte alles anders sein als sonst: Was bitte hat sich innerhalb der letzten 12 Monate im Kloß-Business getan, dass die Kochbeutel jetzt aus Plastik sind? Mal unabhängig davon, dass das umwelttechnisch totaler Wahnsinn ist und es jetzt Strohhalme, Wattestäbchen und alles Mögliche ohne Plastik gibt, während die Kloßindustrie anscheinend auf alles sch… und ihr Kloßpulver jetzt in Folie einschweißt – das ist auch im Handling totaler Mist.

Die Folien-Dinger haben nämlich natürlich Löcher… in erster Linie sollen die wohl bewirken, dass im Rahmen des Kloßzubereitungsprozesses Wasser reinkommt… das weiß aber das Kloßpulver nicht und kommt durch dieselben Löcher raus. Ist man dann ähnlich unvorbereitet auf diese Neuerung im Kloß-Zirkus wie ich, kippt man die kleinen Kloßbeutel aus dem großen Kloßbeutel wie es sich seit Äonen bewährt hat einfach ins Wasser… dazu einen Haufen loses Zeug, so dass man im Grunde erstmal Kartoffelsuppe mit Kartoffelklößen drin hat. Das allein hat mich schon hart genervt – die fertigen Klöße dann aus den Kochbeuteln… äähhh, Koch… -Folien zu friemeln, ist dann allerdings eine Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat, so sehr kleben die Dinger da drin.

Nee – Fortschritt hin, Innovationen her… nächstes Jahr mache ich vorher’n Kloßtest, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.

In diesem Sinne: Schöne Weihnachten an alle Leserinnen und Leser, Podcasthörerinnen und -hörer, Followerinnen und Follower und Freundinnen und Freunde von Mondscheintomate! Feiert im Kreise lieber Menschen, achtet auf Euch, geht nirgends hin, nur, „weil es sich gehört“, wenn Ihr keinen Bock habt – und lasst Euch nicht von kleinen Katastrophen triggern… weder in der Küche, noch sonstwo.

Die Bushaltestelle

Wo trifft man sich im Dorf eigentlich? In meinem fortgeschrittenen Alter ist es eine Kneipe, ein Einkaufsmarkt oder der Gartenzaun. Die Jugendlichen haben vielleicht einen Jugendclub, das Gartenhäuschen in einer Familie oder eben die Bushaltestelle.

Hier wird die Bushaltestelle einfach „Bussi“ genannt. Sie liegt zentral im Dorf. Lange bestand sie aus einem Häuschen aus Beton. Da drunter war es trocken und hat gestunken. Außerdem waren die Wände bemalt. Das entsprach wohl nicht den Schönheitsidealen der Erwachsenen. Und so wurde mit viel Geld das Häuschen abgerissen und durch einen luftigen Glasbau ersetzt. Ich persönlich finde es schade. Aber dem Treffpunkt hat es nicht geschadet. Jetzt sitzt die nächste Generation dort auf der Bank.

Sind die Treffpunkte in der Stadt eigentlich anders? In dem Dorf meiner Jugend gab es kein Bushäuschen. Statt dessen haben wir uns auf dem Zaun an der Kirche getroffen, nachdem wir aus allen anderen Örtlichkeiten raus geflogen sind. Der Jugendraum wurde irgendwann umgewidmet. Den Inhabern des Gartenhäuschens waren zwanzig Jugendliche irgendwann zuviel. Und auf dem Dachboden der Garage einer wundervollen alten Tante haben wir für den Heizlüfter im Winter zuviel Strom verbraucht. Auch wenn es sich so anfühlte, aber der Verlust unserer Treffpunkte war nicht wirklich verantwortlich für die Auflösung unserer Clique.

Bei uns gibt es fußläufig erreichbar keine Kneipe mehr. Da muss man schon 5km fahren, bis man zum Stammtisch kommt. Das ist sehr bedauerlich, denn der Stammtisch ist eigentlich die Selbsthilfegruppe auf dem Dorf. Er ist immer noch eher männlich geprägt. Die Frauen haben sich früher in der Kirche getroffen. Aber dies Geschlechter-Trennungen weichen sich auf.

Das Ding mit der Musik und der Pandemie: Ein Appell, unsere Kunst- und Kulturschaffenden zu unterstützen

Eine ungewohnt ernste Überschrift mit einem ungewohnt ernsten nachfolgenden Text, ja… aber erstens ist Winter, zweitens gibt es pandemiebedingt fürchte ich demnächst eh wenig zu lachen und drittens möchte ich an dieser Stelle mal ein Anliegen mit Euch teilen, das mir sehr am Herzen liegt.

Dass in mir zumindest zum Teil ein Künstlerherz schlägt, ist hier im Blog schon angeklungen und wurde wohl auch im Podcast bereits deutlich… dass ich darüber erst jetzt einen eigenen Artikel schreibe, wundert mich im Nachhinein allerdings selbst.
Corona hat nun vieles verändert – die Idee, nochmal vor einer großen oder gar auf einer kleineren Bühne zu stehen, ist für mich in sehr weite Ferne gerückt, der Kontakt mit Menschen findet in den meisten Fällen online statt… außerdem war der Sommer kalt und lud nicht dazu ein, sich auch nur mal mit einem Instrument irgendwo hinzusetzen und Musik zu machen und selbst die Malerei an Tinkis „Bienen-Wohnung“ habe ich irgendwann zumindest vorerst aufgegeben.
Um so wichtiger geworden ist in meinen Augen social media: Neben der Funktion als universelles Kontakt- und Kommunikationstool kann es aus meiner Sicht tatsächlich ein ganz passabler Ersatz sein, einfach online spannende Künstler*innen zu entdecken, wenn man bis vor Kurzem inspirierende neue Musik durch Freunde oder auf Veranstaltungen kennenzulernen pflegte.

Ich bin ehrlich: Wenn ich das Radio anschalte, schalte ich es in der Regel sofort wieder aus, so sehr nervt mich die übliche „Kommerz-Mucke“ dort an. Ja, ein Livekonzert mit aufwändiger Show von einer großen Band etc. kann ein tolles Erlebnis sein… aber wenn man nicht Stunden vorher vor der Location steht (was ich üblicherweise tue, um dann auch wirklich direkt vor der Bühne zu stehen), sieht man das, was auf der Bühne passiert, üblicherweise auf großen Leinwänden (was ich in kleiner auch einfach zu Hause am Bildschirm könnte), während man vor der Bühne in großen Locations fast zu Tode gedrängelt wird… nicht nur einmal habe ich mich von der Security nach kurzer Zeit aus der Menge ziehen lassen, um dann doch an irgendeinem schlechten Platz zu stehen und mich zu ärgern.

Aber habt Ihr dagegen mal ein Konzert von einer kleineren Band in einer kleineren Location erlebt? Habt Ihr schon mal vor einer Bühne durchgehend während einer kompletten Veranstaltung Party gemacht, weil der Platz dafür da war? Und seid Ihr nach einem Konzert mal mit der Band, der Ihr im Publikum aufgefallen seid, noch bis zum Sonnenaufgang durch die Kneipen gezogen? Ich habe das alles schon getan, erlebt und geliebt, aber während einer globalen Pandemie ist mit alldem so ziemlich Essig.

Zusätzlich haben es gerade die kleineren Kunst- und Kulturschaffenden, die bei aller Liebe zu dem, was sie tun, auch ihre Existenz davon bestreiten und demzufolge ihr Einkommen haben müssen, aktuell in mehrfacher Hinsicht schwer: Die Einschränkungen durch Corona bedeuten für viele Künstler*innen nicht nur, nicht in gewohnter Art und Weise ihrer Arbeit und ihrem Leben nachgehen zu können, sondern auch, dass am Monatsende oft nicht in der Kasse ist, was ohne Pandemie vermutlich hätte drin sein können.

In diesem Sinne: Nutzt doch einfach die Corona-Zeit, um Euch nach neuer Musik umzuschauen! Das Internet ist voll von Künstler*innen, die für das, was sie tun und können, eigentlich viel zu unbekannt sind. Teilt deren Arbeit mit Freunden, kauft Euch ein Album oder schaut doch mal, ob kleine Bands, Musiker*innen und Künstler*innen, die Euch gefallen, vielleicht einen Shop mit ihrem Merch haben und Euch etwas davon gefällt?

Ich mag an dieser Stelle mal mit gutem Beispiel vorangehen und Euch Eddy Edge vorstellen: Wer sich Singer- und Songwriter-Mucke mit deutlichen Punk-Pop-Einflüssen oder auch Pop-Punk, in dem unter anderem wunderschöne Lovesongs „versteckt“ sind, auf der Akustikgitarre vorstellen (oder eben auch noch gar nicht vorstellen) kann und wer Textzeilen mag, die zum Teil ebensogut einem Gedichtband und zum anderen Teil mit Farbdosen besprühten Häuserfassaden entstammen könnten, wird die Mucke mögen, die aktuell auf seinem YouTube-Kanal zu finden ist. Mit anderen Bands und Projekten ist Eddy Edge allerdings musikalisch auch in anderen Gefilden unterwegs und tauscht die Akustikgitarre gegen die E-Gitarre oder setzt sich hinters Drumset. Auch seine neue EP mit sechs Songs ist in Arbeit – in diesem Sinne: Checkt seinen YouTube-Kanal doch mal aus, lasst Likes, Kommentare und viel Liebe da, teilt seine Mucke mit anderen Leuten (und seid auch hier nett in den Kommentaren – es besteht eine nicht ganz geringe Wahrscheinlichkeit, dass besagter Musiker mitliest) – und dann schaut doch auch mal, ob es nicht noch weitere Künstler*innen gibt, die Euren Support verdient hätten, damit auch die Musik-, Kunst- und Kulturszene es heil durch die Pandemie schafft.

Die Party

Ich bin der festen Überzeugung, dass nur Partys auf dem Dorf, wirklich gute Partys sind. Geht euch das auch so?

Es geht schon mit der Suche nach einer Location los. Nehmen wir den Sportplatz? Also die Wiese hinter dem Kindergarten, wo zwei Tore stehen. Die wird regelmäßig gemäht. Wir können auch hinten im Garten feiern. Wenn man jünger ist, dann trifft man sich an der Kirchenmauer oder in der Bushalthaltestelle. Den Saal kann man auch mieten. Oder man fragt den Nachbarn, ob es in seiner Scheune geht. Auch der See bietet ein schönes Ambiente. Möglichkeiten gibt es reichlich. Der Geldbeutel wird meistens geschont. Die Nachbarn lädt man mit ein oder bietet einen Altenkaffee am Nachmittag an. Je mehr man das ganze Dorf mit einbezieht, desto wahrscheinlicher ist es, dass niemand sich wegen Ruhestörung beklagt.

Bei der weiteren Organisation kommt es darauf an, wie die Erwartungen der Gäste sind. Eine Silberhochzeit feiert man am ehesten im Saal, aber auf der Koppel geht es auch. Die Jugendlichen bevorzugen den See oder den Garten. Für den Altenkaffee eignet sich die die Scheune gut. Genau so unterschiedlich sind dann die Ansprüche an das Essen. Ganz prima klappt es, wenn man eine „Mitbring“-Feier ausruft. Zum Kaffeetrinken wird man sowieso schon von den dörflichen Gästen gefragt, welcher Kuchen mitgebracht werden soll. Oder man wird nicht gefragt, kann sich aber darauf verlassen, dass irgendein Kuchen den Weg zur Feier findet. Bei anderen Feierlichkeiten sollte man den Strom von Grillgut, Salaten oder Nachtisch etwas steuern. Die Reste bleiben nämlich immer beim Gastgeber. Da sitzt man mitunter mehrere Tage auf Nudelsalat, weil so viele Gäste den mitgebracht haben. Und der Ehre halber ist jeder Salat selbstgemacht. Sicherheitshalber sollte man vorher Plastikschachteln mit Deckeln sammeln. In die kommen vor Ende der Feier die Reste und werden gerecht an alle Gäste, die nicht rechtzeitig Nein sagen, verteilt.

Das unangenehmste Problem sind die Dinge, die man wieder los werden will – üblicherweise und hoffentlich auf den Toiletten. Selbst wenn es viel Platz für wenige Party-Gäste gibt, sollte es dafür einen ordentlichen hygienischen Platz geben. Am Ende laufen, wenn Alternativen fehlen, ja doch alle auf das Klo im Haus. Es lohnt sich dafür eine gute Lösung zu finden, denn das Putzen am nächsten Tag, ist einfach kein Spaß. Einfacher ist es hingegen mit den Schlafplätzen, wenn die Gäste unter 40 Jahre sind. Es gibt auch ältere Semester, die das Zelt eine adequate Lösung finden (die sind meistens männlich). Je nachdem, wie sehr einem die Gäste am Herzen liegen, kann man mit ein paar Ersatz-Iso-Matten bis hin zu Luftmatratzen aushelfen. Ansonsten passiert es, dass fünf Leute auf dem Sofa schlafen, weil es auch im August nachts ganz schön kalt draußen ist.

Die meisten Partys sind nur so gut wie die Musik, die läuft. Eine Playlist ist da keine gute Idee. Wenn die Party richtig gut sein soll, dann sucht man einen DJ. Die Musik ist aber auch meistens das größte Problem, im Zusammenleben mit den Nachbarn. Da ist schnell mal die Polizei auf dem Hof, die höflich darauf hinweist, dass es zu laut ist. Es ist daher sehr hilfreich seine Nachbarn auf die Lärmbelästigung rechtzeitig hinzuweisen. Am besten lädt man die ganze Nachbarschaft mit ein. Man kann mit kostenlosem Essen locken, denn davon ist in den meisten Fällen ausreichend da. Kommt die Polizei dennoch, sind Diskussionen sinnlos. Da hilft es nur die Lautstärke runter zu drehen, ein nettes Gespräch mit den Ordnungshütern zu führen und versuchen herauszufinden, wem man denn auf die Füße getreten hat. Entschuldigt man sich am nächsten Tag bei demjenigen, könnte sich das Problem bei der nächsten Feierlichkeit eventuell schon erledigt haben.

Jetzt braucht man nur noch eine hilfreiche Truppe, die beim Aufbauen und Aufräumen hilft. Dann steht der nächsten Party nichts mehr im Weg.

Alkohol

Statistisch trinken Jugendliche, die auf dem Dorf wohnen früher und mehr.

Wird auf dem Dorf eigentlich mehr Alkohol getrunken als in der Stadt? Ich will nicht lange drumrumreden – Ja wird es! Da gibt es sogar Statistiken drüber. So kompliziert muss man sich das aber nicht machen. Es genügt vollkommen zum Osterfeuer ins Dorf zu kommen und mal selbst zu gucken. Dabei geht es aber nicht ausfallend oder auffällig zu, nur irgendwie ist so eine Flasche Schnaps erstaunlich schnell leer.

Dieser erhöhte Konsum beruht definitiv nicht auf Langeweile oder Frust. Auf dem Dorf ist es auch nicht notwendig sich Mut anzutrinken, schließlich kennt einen ja eh jeder. Dafür bangt man weniger um seinen Führerschein. Entweder ist man zu Fuß oder mit dem Fahrrad da, oder man wird nach Hause gefahren oder pennt auf dem Sofa bei einem Freund. Es gibt auch die Bierstraßen, aber die waren schon immer der ländlichen Polizei bekannt. Da wo man vor 20 Jahren noch mal durchgewunken wurde, weil man auf der Strecke morgens um eins wirklich niemanden gefährdet hat, wird man heute doch schon mal zum Pusten aufgefordert. Die Zunahme des Autoverkehrs im ländlichen Raum, fordert eben ihren Tribut.

Es gibt auch diverse alkoholische Kuriositäten. Wer mutig ist, trinkt den Selbstgebrannten vom Nachbarn. Wen der Konsum von Kräuter, Pflaume und Korn langweilt, der setzt schon mal Likör an. Das haben wir hier auch schon gemacht. Denn wohin mit dem ganzen Obst im Herbst? Also kam die Quitte in den Wodka und die Wallnuss in den Korn. Das Zeug steht jetzt schon länger bei mir im Regal, weil ich mich kaum traue es anzubieten. Quittenlikör klingt auch auf dem Dorf exotisch. Und ich müsste gegen den Quittenlikör des Nachbarn ankommen. Der war nämlich sehr, sehr gut gelungen. (Die Feier, wo wir ihn probiert haben, übrigens auch – und am Ende war er leer.) Die Wallnuss hingegen ist recht gut gelungen und kommt auch so gut an, dass wir das wiederholt haben. Aber aus unerklärlichen Gründen schmeckt es nie gleich. Meine Kinder haben versucht mir das mit Bio und Physik und dem fehlenden Rezept zu erklären, aber ich finde, wenn man Korn und Wallnuss mischt und Zucker reingibt, sollte es immer gleich schmecken.

Am Ende setze ich auf den Effekt, dass man nach dem dritten Glas eh nicht mehr weiß, was man da trinkt. Und ich schenke mir dann noch einen Eierlikör ein – den Selbstgemachten – von Oma Evi.