Das Maus-Vakuum

Ich habe ein Maus-Vakuum. Das liest sich jetzt sicher für Außenstehende erst einmal komisch, aber ich kann das erklären:

In alten Häusern auf dem Land lebt man halt noch im Einklang mit der Natur – genauer gesagt hat man hier und da auch Viehzeug um die und sogar in der Bude. Gegen Spinnen und anderes Kleinstgetier habe ich mich bereits durchsetzen können, denn ich weiß, welches „Kraut“ dagegen gewachsen ist – gegen die Mäuse-Nummer allerdings bin ich nach wie vor wehr- und hilflos, und das muss am Maus-Vakuum liegen: Ich habe schon welche vergiftet, ich habe sogar schon eine unter Einsatz meines Lebens unter einem Eimer gefangen (okay – dann musste mein Kerl kommen und mich retten, denn das war im Grunde Schrödingers Maus: Solange niemand unter den Eimer guckte, war die Maus gleichzeitig tot und lebendig, und während eine lebende Maus irgendwie noch geht, finde ich eine tote Maus ja echt eklig!) – aber so ganz losgeworden bin ich sie nie.

Die Viecher haben hier ja auch komische Hobbys: Es werden nicht etwa Lebensmittel angefressen, sondern so Sachen wie der Karton mit den Spülmaschinen-Tabs. Insgesamt habe ich ohnehin offensichtlich sehr saubere Mäuse – eine randalierte mal in einer Schublade, die (außer der Maus) lediglich eine Dose Farbe sowie einen Lappen enthielt (denn ich weiß, wie man Möbel anmalt). Wenn die Maus sich nun also wenigstens nützlich machen und mal mit dem Lappen durch die Bude laufen könnte?

Lange Rede, kurzer Sinn: Immer, wenn hier eine Maus tot oder sonswie weg ist, ist es kurze Zeit ruhig, nur, damit es ein paar Tagen später an der nächsten Ecke prökeln und knurbseln kann, weil im Sinne des Maus-Vakuums eine neue Maus eingezogen ist. Wenn ich Katzen nicht so doof fände und die aufgrund von Nachbars Hund hier nicht eine relativ geringe Halbwertszeit hätten, könnte ich ja auch mal über eine solche Anschaffung nachdenken – so wird mir jedoch nur übrig bleiben, den Mäusegeräuschen mit dem Gift hinterherzulaufen, und wenn ich nicht irgendwann sämtliche Mäuse des Dorfes in meiner Bude vergiftet habe, dann maust es wohl noch heute.

Mein Garten

Es blüht und grünt und ernten lässt sich auch noch was. Der eigene Garten ist ein Relikt aus den Zeiten, wo man sich nur so ernähren konnte und aus der DDR, wo man nicht alles mal eben im Konsum kaufen konnte. Heute ist es eher ein Hobby als eine ernährungsnotwendige Arbeit. Es ist die Freude an der Natur und der Spaß daran, die eigenen frischen Pflanzen essen zu können. Und manchmal ist er ein notwendiges Übel, denn zu einem Eigenheim gehört immer ein bisschen Garten.

Es gibt bei den Eigenheimbesitzern auch solche, die diesen Garten gar nicht wollen und ihn mit Steinen und anderen nicht-wachsenden Elementen bedecken. Andere machen einen im Grunde toten Rasen um ihr Haus, der einmal in der Woche gemäht wird und die Ränder werden heimlich in der Dämmerung mit Herbiziden tot gespritzt. Ungeliebt ist auch der Zwang einen schönen Vorgarten zu präsentieren, weil die Nachbarn ja sonst reden würden. Da wird dann mit pflegeleichten, mehr oder weniger wuchernden Zypressen und Bodendeckern gearbeitet. Es wird aber auch alles dann mal ausprobiert, was der Baumarkt an Pflanzen hergibt, selbst wenn man schon vorher weiß, dass die meisten dieser Mode-Blumen nach einem halben Jahr wieder eingeht. Hinter den Häusern findet man dann den Spielplatz des Kindes, einen erweiterten Lagerraum für alles was nicht ins Haus passt, ein vernachlässigtes Kräuterbeet und ein paar wuchernde Koniferen zum Nachbarn rüber, damit der nicht so gucken kann.

Ich habe zwei Hektar Platz und dazu noch drei Hektar in Pacht. Da ist eine Menge Platz, um mich selbst zu verwirklichen. Und tatsächlich erkennt man am Zustand meines Blumenbeetes, meine aktuelle Lebenssituation. Der größte Teil des Grundstückes besteht aus soetwas wie Rasen. Es gibt recht kurzen Rasen, langen Rasen, bunten Rasen, in dem Blumen sind, löchrigen Rasen mit Maulwurfshügeln, Rasen, der Pferdekoppel ist, zerfahrenen Rasen und etwas, was eigentlich Rasen sein sollte, wo aber irgendwie dauernd andere Pflanzen, wie z.B. Brennnesseln, wachsen. Ich habe Hecken, Bäume und Obstbäume. Und ich habe einen „Bauerngarten“. Das ist so ein Stück mit einem Zaun herum, indem sich Buchshecken befinden und dazwischen wachsen Kräuter, Erdbeeren, Rhabarber und Blumen. Kartoffeln habe ich auch noch drin.

Ursprünglich hatte ich mal gelernt, dass man alles hübsch in Reihe pflanzt, damit man es wieder findet (bei Karotten eine sehr gute Idee!). Aber bei mir findet man nicht mal die Wege, weil sich alles von allein aussät und ich mal hier oder mal da eine freie Stelle zum Stehen habe. Ich nenne das naturnah gärtnern. Das erklärt auch die Brennnesseln und den Beifuß dazwischen. So bin ich auch nicht so unter Druck, jäten zu müssen. In jedem Jahr wächst etwas anderes in diesem Garten besonders gut. In diesem Jahr ist es die Königskerze und sehr überraschend der einjährige Mohn. Es gab auch schon Jahre, wo der Beifuß und die Brennnessel den größten Teil des Bodens bedeckt haben. Das war gut für den Giersch und den Gundermann. Beides ist sehr lecker im Salat.

Meine Bienen ignorieren den Blumengarten. Höchstens den Borretsch fliegen sie im Juli und August mal an. Der vermehrt sich auch fleißig und macht sehr viele Blüten noch spät im Jahr, wenn es nicht mehr so viel zu holen gibt. Ansonsten summt es hauptsächlich von den Hummeln und auch die eine oder andere Wildbiene findet sich ein.

Arbeiten im Garten ist meditativ. Wachsen und Sterben liegen da dicht beieinander. Und ein Garten bietet viele Möglichkeiten, um Lebensvergleiche zu ziehen. Es fühlt sich ein bisschen gut an, wenn man die Welt ein bisschen besser macht, weil man einen Garten pflegt. Die eigene Scholle erzeugt immer noch Besitzerstolz, auch wenn sie klein ist. Und das wurmstichige Radieschen oder die von Schnecken angefressenen Erdbeeren sind eben die eigenen und sehen auch gar nicht, wie gekauft aus.

Man kann die Gartenarbeit als Arbeit betrachten. Mit wütender Genugtuung kann man das Unkraut ausreißen oder den Boden umgraben. Man kann es als Entdeckungsreise betrachten. Was wächst denn da? Man kann es als körperlichen Ausgleich zum Büro betrachten und die Arbeit an der frischen Luft genießen. Man kann es als Beitrag zur Rettung des Weltklimas betrachten und regionale Pflanzen vermehren. Für mich ist es von allem ein bisschen, nur Arbeit ist es bei mir nie. Wenn ich keine Lust mehr habe, dann höre ich auf. Es ist ja wurst, was da wächst. Ich brauche davon ja nicht leben.

Mädchenarbeit

Als ich ein Teenager war, da war ich der festen Überzeugung, dass es keine gesellschaftlichen Unterschiede gibt, zwischen Männern und Frauen. Emazipation brauchte man, meiner Meinung nicht mehr, denn schließlich durften schon alle Mädchen das, was Jungs auch durften. Frauenrechtler und Frauenrechtlerinnen waren für mich retro oder wie man damals noch sagte „altmodisch“.
Die Lebenserfahrung hat mich eines besseren belehrt und die Statistik gibt mir recht. Ganz praktisch verdienen Frauen immer noch schlechter als Männer und werden bei Beförderungen benachteiligt. Sie werden in diversen Berufen immer noch gemobbt. Und Mädchen werden immer noch in typische Mädchenberufe gedrängt. In typischen Männerberufen werden sie für inkompetent gehalten und müssen sich durch doppelt so gute Arbeit beweisen. Traditionen halten sich unglaublich lange und werden von allen Geschlechtern gleichermaßen erhalten.

Traditionen und Gewohnheiten geben ja auch Sicherheit. So war es früher einfach: Das mit dem Kleid ist ein Mädchen und der mit der Hose ein Junge. Man kann das immer noch auf den Piktogrammen auf den Toiletten in aller Welt erkennen. Alternativ findet man dort höchstens mal lange Haare und kurze Haare und in wenigen Ausnahmen die Zeichen für männlich und weiblich. Letzteres erkennt aber nicht jeder, so dass man besser auf das Röckchen und die Beine zurückgreift, wenn man sicher gehen will, dass sich die männliche Bevölkerung nicht auf das falsche Klo verirrt. In Schweden sind einfach alle Toiletten Gender (so weit mir bekannt ist, ist das der korrekte Ausdruck für jegliche Geschlechterzuordnung). Lösungen können manchmal so einfach sein.

Weniger einfach ist das mit der Arbeit. Automechanikerinnen sind immer noch die Ausnahme und auch im Physikstudium, sind Frauen eher selten. Wobei Physikstudenten per se schon einen Seltenheitswert haben. Schönheit, Sauberkeit, Sozialkontakte – das sind die Richtungen in die Frauen unbewusst gedrückt werden. Naturwissenschaften überlässt man eher den Männern, bis auf die Medizin. Dort braucht es bald eine Männerquote. Die Krankenkassen wollen das sicher nicht ändern, denn Frauen erhalten immer noch weniger Gehalt und fordern leider auch nur selten eine Erhöhung. Die häufigsten Argumente lauten dann: „Mir ist meine Arbeit viel wichtiger als das Geld.“ oder „Ich möchte keine Unruhe ins Team bringen.“, aber auch „Ich habe dafür sehr gute Arbeitsbedingungen.“ Ich denke, das alles kann man haben und mehr Geld außerdem. Die monetäre Wertschätzung ihrer Tätigkeit, ist nicht so ausgeprägt.

Schwierig ist es aber auch mit den Tätigkeitsfeldern von Frauen bei der Arbeit, die üblicherweise als „betriebsnotwendig“ in den Arbeitsverträgen bezeichnet wird, und beinhaltet, dass gefegt wird oder auch mal ein Fenster geputzt. Während ersteres für Männer noch als akzeptabel gilt, wird letzteres nur Frauen aufs Auge gedrückt. Dabei gibt es unzählige ganz hervorragende professionelle Fensterputzer. Bei betriebsnotwendigen Nebentätigkeiten ist das aber auf einmal eine typische Mädchenarbeit, genau so wie Wischen, Klo putzen oder Kaffee kochen. Und tatsächlich lassen sich Frauen für den Kaffe tatsächlich aus der Besprechung entfernen, anstatt empört mit dem Finger auf den Azubi, Abteilungsleiter oder jemand anderen, männlichen Anwesenden zu zeigen und zielsicher festzustellen, dass diese Menschen da auch kompetent sind. Frauen, die die Kaffeesache im Griff haben, werden übrigens nicht mehr gefragt, ob sie ihn holen würden.

Die Aufteilung der Arbeitswelt in Mädchen- und Jungsarbeit ist traditionell immer noch so üblich, dass häufig weder Frauen noch Männer das überhaupt bemerken. Und wenn man darauf hinweist, dann erntet man schon mal böse Blicke, weil sich die Menschen bedroht fühlen, wenn nicht alles „so ist wie immer“. Auch wenn das einzig sichere im Leben die Veränderung ist, ist sie doch genau das, was die meisten Menschen nicht möchten, selbst wenn sie davon profitieren.

Wir werden noch Jahrzehnte daran knabbern Traditionen anzupassen. Und wenn wir es denn geschafft haben Mädchen- und Jungsarbeit abzuschaffen, dann wird es andere Schubladen geben, in die wir uns stecken.

10 Gründe, alte Fahrzeuge zu fahren

1. Man kann alles selbst reparieren. (Okay – das muss man im Wesentlichen auch, da einen die Werkstatt mit solchen Klöttern üblicherweise vom Hof jagt, aber das widerspricht dem ja nicht: Man KANN alles selbst reparieren.) Aus diesem Grund ist auch die Mitgliedschaft im Automobilclub des jeweils geringsten Misstrauens im Grunde unnötig: Entweder, das Ding lässt sich mit Bordmitteln oder notfalls mit einem Anruf beim Kumpel („Bring mir doch bitte mal eben einen…“) selbst zumindest notdürftig zur Weiterreise überreden, oder aber, man fährt eh erstmal längere Zeit nirgendwo hin.

2.& 3.

Diese beiden guten Gründe, alte Fahrzeuge zu fahren, sprechen für sich selbst.

4. Man muss nicht erst eine Bedienungsanleitung lesen, die dicker ist, als die Bibel, um mit dem Gerät den Hof zu verlassen: Nichts piept, und stroboskopartige Leuchtattacken in den Anzeigen bleiben ebenfalls aus, es herrscht eine wunderbar friedvolle Stimmung im und um das KFZ.

5. Der ständig wechselnde Umgang mit den unterschiedlichsten Schaltungen mit Betätigungen an den lustigsten Stellen und anderen speziellen Bedienelementen, die sich aus irgendwelchen Gründen zumindest teilweise nicht durchgesetzt haben, hält das Hirn auf Trab.

6. Man kauft sich ein Fahrzeug und kauft gleich mehrere Hobbys mit: Fahren, schrauben, sich auf Treffen und Oldtimermärkten herumtreiben – all das gehört schnell dazu zum „Projekt Oldie“.

Apropos Hobby: Ich kann täglich unter Zuhilfenahme meines Hobbys zur Arbeit fahren – welcher Golfer, Schach-Enthusiast oder Kampfhäkler kann das schon von sich behaupten? Und so spart man noch Zeit und Geld, wenn man sich ausreichend Mühe gibt, sich die Sache schön zu reden: Zur Arbeit müsste ich ja ohnehin, und so ist das Hobby im Grunde inklusive.

7. Man erhält ein Stück Geschichte – im Grunde fährt man mit automobilem Kulturgut spazieren, das ist aus diversen Gründen wunderschön.

8. Die Leute freuen sich – im Dienst-VW des Arbeitgebers winkt mir nie einer zu… bin ich allerdings im Trabi unterwegs, ist das keine Seltenheit, und so führte das Blinken, Aufblenden, Hupen und Winken anderer Verkehrsteilnehmer anfangs nicht nur einmal dazu, dass ich meine komplette Beleuchtungseinrichtung überprüft habe.

9. Man kommt im Grunde einem Bildungsauftrag nach – wer von den jungen Leuten heutzutage weiß denn noch, warum man Gemisch tankt? Hantiert man also an der Tankstelle mit Messbecher und Ölkanister oder rührt (völlig unnötigerweise, aber es geht halt) den Tankinhalt mit der Tankanzeige um, die im Wesentlichen aus einem Stöckchen mit Zahlen drauf, das man in den Tank tauchen und hernach den Füllstand ablesen kann, besteht, kann man sich relativ sicher sein, nicht lange allein an seiner Zapfsäule zu sein.
Aber auch unbehelligtes Einkaufen gestaltet sich bisweilen schwierig: Eigentlich findet sich immer irgendwer mit Interesse an dem Fahrzeug, der „nur schnell eine Sache fragen möchte“ und mit dem man sich dann 1,5 Stunden auf dem Parkplatz unterhält (nicht selten kommen im Laufe der Zeit weitere Personen hinzu).

10. Wenn ich das Blech von meinen Kerzensteckern abmontiere, kann ich im Vorbeifahren Euer Fernsehprogramm umschalten – da geht also unter Umständen sogar mehrfach was in Sachen Bildungsauftrag.

Wie giftig ist das eigentlich?

Eines der Probleme mit denen man sich hier auf dem Land rumschlägt ist das Wachstum und die Ausbreitung von Pflanzen, die man nicht haben will. Manches davon ist hässlich, anderes lästig und einiges ganz schön giftig.

Zu der giftigen Sorte gehört das Jakobskreuzkraut. Eine Blütenpflanze aus der Gattung der Kreuzblütler, die alle nicht ganz ohne sind. Das Jakobskreuzkraut übertrifft sie aber alle. Aus nicht geklärter Ursache hat es sich in den letzten 20 Jahren wie verrückt ausgebreitet. Es gibt sogar diverse Verschwörungstheorien dazu. Mir ist das Problem jedenfalls erst aufgegangen, wie ich mit der Pferdehaltung begonnen habe. Das Jakobskreuzkraut ist unter den Pferdeleuten jedenfalls der Teufel schlechthin. Und auch unter den Imkern wächst die Erkenntnis, dass diese Pflanze, das Böse personifiziert oder herbiziert (wenn es den Ausdruck geben sollte).

So ganz abwegig ist das nicht, wenn man bedenkt, dass drei Kilo von dem frischen Kraut ein 700kg Pferd umbringen. Und es mussten schon ganze Honigernten vernichtet werden, weil der Giftstoff aus diesem Kraut mit dem Nektar eingetragen wurde. Doch auch kleinere Mengen schädigen schon die Leber, so dass man beim jäten Handschuhe tragen sollte. Und wenn es schon Blüten hat, sollte man es nach dem Außreißen entweder in einen Plastiksack stecken oder noch besser gleich verbrennen.

Besonders betroffen sind Pferdeweiden und brachliegende Naturschutzflächen. Meine Koppeln sind auch betroffen und jedes Jahr stehe ich abgrundtiefseufzend vor der gelben Invasion. Es würde durchaus helfen, wenn wir zeitig mulchen (das ist wenn das Gras wie beim Rasenmäher kleingehäkselt wird und liegen bleibt) würden. Aber dann wäre nichts mehr für die Pferde da. Also versuchen wir es in einer Kombination mit mulchen und eben jäten. Und ja – jäten ist Mädchenarbeit und Mulchen was für Jungs, denn dafür braucht man einen Trecker. Vermutlich könnte ich das Ding auch fahren, auch mein Führerschein ist dafür ausgelegt, aber ich habe nicht die Nerven mir die Vorträge des Besitzers anzuhören, die voller Vorurteile mir erklären, wie man das Ding zu Schrott fährt und dass ich doch bitte genau diese Dinge alle nicht tun sollte. Außerdem würde jäten Mädchenarbeit bleiben und Mulchen wäre dann auch noch Mädchenarbeit. Aber das ist eine andere Baustelle.

Das giftige Kraut hat natürlich seine Lebensberechtigung. Es ernährt zum Beispiel die Raupen eines Schmetterlings – des Blutbärs. Und der steht auf der roten Liste. Der Raupe setzt das Gift nicht zu, sondern sie nutzt es zur Abwehr gegen Fraßfeinde. Passend dazu ist sie gelb-schwarz geringelt. Das scheint in der Tierwelt ein Zeichen für „Achtung giftig!“ zu sein. Aber auch das massenhafte Auftreten vom Jakobskreuzkraut hat nicht dazu geführt, dass der Blutbär sich massenhaft vermehrt. Vermutlich gehört zu seiner Vermehrung mehr als nur eine Menge Kreuzkraut.

Für mich bleibt unterm Strich nur die möglichst biologische Eindämmung der Plage. Und dazu gehört auch die Verbreitung der Informationen über Jakobskreuzkraut. Denn die Samen fliegen weit. Jeder ist willkommen sich am Ausreißen zu beteiligen. Mein Dank wird euch für immer hinterher hinken.

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Technik, die begeistert: Die Sache mit dem Laptop

Früher, als es noch Diskettenlaufwerke und Mäuse mit Kugeln drin gab, habe ich mal selbst an Computern gebastelt. Das hatte gleich mehrere Gründe: Als Schülerin hatte ich wenig Geld, viel Zeit und einige Kumpels, die sich mit der Materie beschäftigten… da bot es sich an, mit nicht wirklich lauffähiger Software zu experimentieren, einen Server in seinem Schlafzimmer zu betreiben und überhaupt herrlich unsinnige Dinge zu erschwinglichen Kosten zu machen.

Mittlerweile bin ich da deutlich praktischer orientiert: Ich habe weder Lust, einen riesigen Rechner nebst riesigem Monitor mit mir herumzutragen (wie ich das früher zum Beispiel zur Discobespaßung niedrigerer Jahrgangsstufen an meine Schule oder in irgendwelche dunklen Keller zu zwielichtigen Leuten auf irgendwelche LAN-Partys tat – heute passiert das Ganze zur Hälfte zum Spaß, zur Hälfte allerdings tatsächlich aus purer Notwendigkeit), wenn ich mit dem Ding mal in den „Außeneinsatz“ will oder muss, noch habe ich Zeit, leidlich funktionierende Software stets und ständig in mühevoller Kleinarbeit und unter Zuhilfenahme von Google, irgendwelchen Foren, Zaubersprüchen bei Vollmond oder Leuten mit längeren Geduldsfäden, die in erster Linie mittels klebrigem Schaum-Waffel-Gebäck zur Arbeit überredbar sind (an dieser Stelle herzliche Grüße an meinen Lieblings-mit-Admin nicht zuletzt von diesem formschönen Blog), zur Kooperation zu bewegen.

Long story short: Ich benötige also einen dieser neumodernen Laptops, und auch, wenn ich im Grunde mit Technik sympathisiere, die andere Menschen, die mit mir in einem Jahrhundert leben, längst unentgeltlich ans Museum abgegeben hätten, muss dieses Klötterding aus diversen Gründen zumindest einigermaßen auf dem Stand der Dinge sein.

So beginnt es also alle paar Jahre von Neuem, das „Projekt Laptop“. Dieses Mal hatte ich mir tatsächlich in den Kopf gesetzt, neben mittlerweile zumindest teilweise leidlich von Ästhetik geprägter Bildbearbeitung zukünftig auch auf Videos losgehen zu wollen. Also – zumindest ab und zu. Vielleicht. Mal gucken. Wahrscheinlich eher nicht, aber zumindest sollte es theoretisch möglich sein.

Was also tun? Der Markt gibt eine Menge Zeug her, mit dem man ganz großartige Dinge tun kann… da gibt es Geräte, die für die Büroarbeit optimiert sind (Gott bewahre), Geräte, die besonders gut für Multimediaanwendungen funktionieren sollen, Geräte mit besonders toller Soundkarte, damit man mit dem Ding zumindest unterwegs ein bisschen Musik hören kann – und dann sind da noch sie: Die Gaming-Laptops.

Liest man sich deren Spezifikationen durch, können die im Grunde mindestens all das, was die oben genannten Geräte auch können – nur schneller und mit bunt leuchtender Tastatur.

Moment – wie geil ist das denn? Die leuchtet bunt? Und man kann für jede Taste einzeln einstellen, in welcher Farbe sie leuchtet?? Donnerschlag!

Von nun an werde ich also an einer sehr bunten Tastatur arbeiten. Vermutlich vorwiegend mit Officeanwendungen, aber immerhin. Und ich werde ein Gerät, das dafür konfiguriert ist, die anspruchsvollsten Online-Games zu händeln, dazu nutzen, an diesem Blog herumzuklöttern. Das ist zwar nicht besonders sinnvoll, aber immerhin ist es möglich. Ein weiterer Vorteil: Vermutlich werde ich nicht von einer übermäßigen Geräuschkulisse gestört werden, denn bis bei dem Teil der Lüfter anspringt, dauert es, wenn man damit mal ’n Blogpost schreibt oder online ’n Video guckt… ein Gewicht von fast 5 kg tut da sein Übriges: Das ist zwar fast wieder, wie früher den Rechner zur Disco zu schleppen, aber immerhin brauchen 5 kg relativ lange, bis sie warm sind. Außerdem klackert es sehr arbeitsam, wenn man an dem Ding schreibt, denn die Tastatur ist mechanisch. Erwähnte ich eigentlich bereits, dass sie bunt leuchtet?

Ich bin eigentlich auf den ersten Tag gespannt, an dem ich das Ding aus irgendeinem Grund mit in die Öffentlichkeit nehmen muss und der oder die erste Umsitzende von dem Tastaturgeklötter und / oder der je nach Einstellung gar bunten Tastatur-Illumination genervt sein wird. Ob „Fresst meinen Sternenstaub!“ in diesem Fall die richtige Antwort ist?

Amazon Rezensionen

Eines der schönen Dinge an Amazon sind die Rezensionen. Fast jeder Artikel des täglichen Gebrauchs ist dort von irgendjemandem mit einer Note von 1 bis 5 Sterne bewertet worden und darunter findet sich ein mehr oder weniger sinnvoller Kommentar. Das ist einer der wirklich schönen Informationen bei Amazon. Mir erleichtert es die Auswahl von Produkten und es finden sich in manchen Rezensionen auch sinnvolle Benutzungshinweise. Man muss die Rezensionen schon deuten. Nur die Sterne-Bewertung ist nicht besonders aussagekräftig.

Bist du dabei schon mal über Bewertungen von Kunden gefallen, die dem Amazon vine Programm angehören? Über der Bewertung kann man lesen, das dieses Urteil von einem Kunden stammt, der ein kostenloses Exemplar dieses Artikels erhalten hat. Das ist übrigens kein Fake, denn ich selbst bin auch in diesem exclusiven Club. Und es sind auch keine unter Erpressung abgegebenen guten Bewertungen, sondern wenn gut bewertet wurde, dann ist das tatsächlich so. Ich habe auch schon eine Menge Produkte zerrissen und darf immer noch teilnehmen.

Zugegeben, die positiven Bewertungen überwiegen, aber das liegt daran, dass ich mir aus einer Liste von Produkten, die heraussuchen kann, die ich möchte. Wenn ich dort etwas als „Schrott“ empfinde, dann nehme ich das gar nicht erst. Manches allerdings lasse ich auch weg, weil ich mich nicht in der Lage fühle es zu testen. Dazu gehören Stillhütchen oder das angebotene Drogentestkit. Es lohnt sich allerdings diese Produkte beim Amazon mal aufzurufen, und zu gucken, wie sie denn bewertet worden sind. Das war auch sehr amüsant bei AdBlue. Zu dem Produkt gibt es nicht so besonders viel zu sagen, aber dafür haben sich einige Rezensenten ganz schön was einfallen lassen.

Ich bin nicht humorlos, aber dann doch nicht so kreativ, dass meine Bewertungen ständig als nützlich bewertet werden. Die Auswahl meiner Produkte scheint ein übriges zu tun. So etwas unspektakuläres wie eine Sonnenbrille, ein Lichterkette oder ein T-Shirt (wenn man es denn in einer passenden Größe bekommt), verlockt nicht so viele Amazonkäufer dazu, Bewertungen zu lesen und sie dann noch zu bewerten. Nützlich oder nicht – auf meine Auswahl an Produkten im Amazon Vine Programm hat das keine Auswirkungen. Aber mit vielen nützlichen Bewertungen landet man in der „Hall of fame“. Da wäre ich halt gerne wieder drin. Das hat keinen praktischen Nutzen, aber irgendwie ist das dann so eine innerliche Aufwertung.

Man kann Rezensionen auch kommentieren. Leider wird das viel zu selten genutzt. Es könnten sicherlich sehr lustige Unterhaltungen entstehen. Bei den Freeses (Radiocomedy vom NDR) hat Bianca so ihren Bernhard kennengelernt, wenn ich mich nicht irre.

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Barkassenbestand

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich mag die deutsche Sprache wirklich gern – manchmal hat sie jedoch, wie ich finde, ihre Eigenheiten. Ob meine heutige Enttäuschung des Tages nun allerdings wirklich in einer sprachlichen Zweideutigkeit oder eher in der Tatsache, dass ich 25 Jahre in und um Hamburg gelebt und gewirkt habe, begründet war – na entscheidet selbst:

Auf der Suche nach dem Einarbeitungszettel für die neuen Kollegen fand ich heute auf der Arbeit zufällig ein gar vielversprechenes Formular: Erfasst werden sollte darauf der Barkassenbestand.

In freudiger Erwartung nautisch-maritimer Abenteuer geriet ich kurzzeitig in Überlegungen, welches Büro denn nun Schiffe vorhalten würde und wie man es wohl einrichten könnte, da mal mitfahren zu dürfen. Mit näherer Betrachtung des Formulars wurde mir jedoch klar, dass man auf dem Schrieb nur angeben konnte, was man für Geld hat.

Bar-Kassenbestand, nicht Barkassen-Bestand.

Enttäuschend.

Bienenfreundlich

Und? Hast du schon eine bienenfreundliche Blühmischung gekauft? Oder wenn du keinen eigenen Garten hast, dann wenigstens Samenbomben, die man sogar aus dem geöffneten Fenster eines fahrenden Autos werfen kann? Die Blumenguerilla hat das schon vor Jahren erfunden, aber da waren Bienen noch nicht so hip und die Samenbomben gab es noch nicht fix und fertig im Baumarkt zu kaufen.

Heute kann man Convenience-Naturförderer sein. Die fertigen Mischungen und Möglichkeiten bietet der Baumarkt oder der Discounter um die Ecke. Es ist auch gar nicht aufwändig – Tüte auf und auf den Boden werfen. Da muss man nichts mehr umgraben, jäten oder vorbereiten. Irgendwas aus dieser Tüte wächst vermutlich und das Unkraut dazwischen hat ja auch seine Daseins-Berechtigung. Die Preise für diese Tütchen sind enorm, vor allem wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Samen gar nicht erst aufgeht. Aber das merkt ja keiner, weil die wenigsten Nutzer dieser Abzocke, die Pflanzen in der Tüte überhaupt bestimmen können. Den Nachbarn kann man das gut als naturnahes Gärtnern verkaufen. Es befreit einen von der Plage des Unkraut – Jätens und begründet sogar das versäumte Rasenmähen.

Ich gönne jedem seinen Verdienst daran, denn die Sache an sich ist ja gut gemeint. Und das ist bekanntlich weit weg von gut gemacht. Man könnte es als einen Anfang bezeichnen und ist sicher immer noch besser, als das gleiche Geld in Brot für die Enten zu stecken. Enten sterben nämlich an der Brotfütterung – aber das nur so nebenbei. Doch es schüttelt mich schon, wenn ich an die Euros denke, die da in ein paar rausgeworfene Samen gesteckt werden, wo man doch einfach, naturnah und so weiter etwas tun könnte.

Naturnahes Gärtnern, Brachflächen, Brennesselhorste oder Steinhaufen sind insektenfreundlich. Aber wer nicht jätet, der hat auch auf solchen Flächen bald nur noch die dominanteste Pflanze stehen und gefährdet die Vielfalt.

Bienenfreundlich ist massenhaftes Anpflanzen derselben Pflanze auf einem Raum. 1000 Quadratmeter Phacelia zum Beispiel sehen nicht schön aus, aber das wird von Bienen beflogen. Man kann seinen Garten auch mit der durchwachsenen Silphie überwuchern lassen. Die Pflanze wird zwei Meter hoch und wäre so auch Sichtschutz gegen die Nachbarn. Aber die Bienen kommen auch da erst, wenn es eigentlich nichts anderes zu holen gibt. So gesehen sind Bienen an die moderen Massenproduktion angepasst, wenn auch ungewollt. Für die Bienen sind riesige Rapsfelder ganz wunderbar. Sie mögen große Lupinenschläge und auch dem Gelbsenf sind sie nicht abgeneigt, sehr zum Unwillen des Imkers, aber das ist eine andere Sachinformation.

Keine Frage – naturnahes Gärtnern ist eine feine Sache. Aber wer bienenfreundlich handeln will, der wird Mitglied in einem Imkerverein. Dafür muss man keine Bienen halten, aber dort kann man die Imker bei der Politik für die Biene unterstützen.

Projekte

Als Enkeltochter eines KFZ-Handwerkers liegt es wohl ein wenig in der Natur der Dinge: Ich habe Benzin im Blut, immer irgendein Stück Werkzeug in der Besteckschublade und mein Spirit Animal ist der Winkelschleifer.

Eigentlich bin ich auf den Hof, auf dem ich seit einiger Zeit wohne, aber aus ganz anderen Gründen gezogen: Nachdem dort Tinkis Shetlandpony-Zucht wohnt, bot sich das mit eigenem Pferd einfach an.

Dass das noch aus ganz anderen Gründen irgendwie ganz passend war, wurde mir erst nach einiger Zeit klar, aber mittlerweile ist es mir bewusst geworden: Auch hier denkt, nein lebt man förmlich in Projekten. Bei mir selbst fängt das ja schon damit an, dass ich alte Autos fahre (an denen stets und ständig irgendwas zu tun ist) und hört noch lange nicht damit auf, dass ich noch ein altes Duo stehen habe, das ich „irgendwann mal“ fertig mache, um mal zwei Beispiele zu nennen.

Eines der aktuellsten Projekte: Ein neuer Boden für Nachbars Anhänger – manchmal laufen Projekte hier auch haushaltsübergreifend, und irgendwie involviert ist man ohnehin meistens.

Man könnte die Dinge, die so zu tun sind, natürlich auch einfach so erledigen – ganz ohne Projekt… das endet dann allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht anders als andere Dinge, die man sich so vornimmt.

Ganz anders ist das bei Projekten: So habe ich irgendwann festgestellt, dass ich zwar seit fast 20 Jahren Kaffee getrunken habe, den aber plötzlich nicht mehr vertrage. Man könnte in so einem Fall ja einfach aufhören, Kaffee zu trinken – man könnte sich aber auch mit dem Thema „Cold Brew“ anfixen lassen, also mit kalt „aufgebrühtem“ Kaffee. Dafür muss man seinen Kaffee selbst mahlen, weil das Zeug aus der Tüte zu fein ist, und Ihr ahnt es schon: Ich habe mir natürlich eine Kaffeemühle besorgt und plütere seitdem regelmäßig in allerschönster Hexenküchen-Manier mit irgendwelchen Flaschen und Filtern herum, was im Grunde schon jedes Mal ein Projekt für sich ist.

Oder die Aktion, die diesem Blog ihren Namen gab: Da habe ich irgendwann mitten in der Nacht begonnen, Tomaten auszusäen… natürlich ist da trotz der Mühe im ersten Anlauf nichts draus geworden, aber auch das ist irgendwie typisch für (meine) Projekte: Erstmal planen, dann irgendwie machen, das Ganze komplett in den Sand setzen und sich dann informieren, wie es richtig geht. Im Falle der Tomaten ging es übrigens richtig, indem ich Nachbarn habe, die das mit den Tomaten offensichtlich besser drauf haben, als ich…

Auch typisch für ein Projekt: Das Ganze reift erst lange Zeit im Geiste, um dann etwas (oder viel bis ziemlich viel) später, wenn ich eigentlich selbst schon nicht mehr damit rechne, unerwartet Fahrt aufzunehmen… so wie die Sache mit der Weide: Seitdem ich weiß, wie diese sich vermehrt und dass Tinki gern ein zweites Exemplar der Weide am Parkplatz hätte, denke ich darüber nach, Wurzeln an einen Zweig des Original-Baumes zu züchten (bisher natürlich erfolglos – siehe vorheriger Absatz, immerhin steht nun allerdings schon mal ein Stöckchen im Wasser).

Und so leben wir hier tagein, tagaus mit und in unseren Projekten… und wenn wir nicht spontan zu Tode gekommen sind (sei es zum Beispiel durch eine unerwartete und vermutlich im Bezug zu irgendeinem Projekt stehende Detonation oder schlicht, weil jemand in ein Loch getreten ist, das gestern garantiert noch nicht da war, sich den Fuß verstaucht hat und in der Folge tragischerweise verhungert ist, weil ihn auf dem weitläufigen Hof niemand rechtzeitig gefunden hat), schmiedet irgendwer bestimmt gerade wieder einen Plan…