Hermann

Kennt Ihr eigentlich noch Hermann? Nein, ich meine nicht Hesse oder „Mensch Hermann“ – ich meine diesen Teig, den sicherlich jede und jeder (zumindest unter uns Millennials) von uns irgendwann einmal beherbergt, gefüttert, vermehrt und gebacken hat, um ihn dann eine halbe Ewigkeit lang nicht wieder loszuwerden.

Dieses Ding bekam man üblicherweise in einem im Idealfall ausgewaschenen Gurkenglas von irgendwelchen Mitschülern etc., schlurrte damit nach Hause und wurde erstmal zusammengeschissen, was das wieder sollte – man hatte das doch schon und überhaupt. Genauer gesagt hatte ich in meiner kompletten Schulzeit nicht einmal Kopfläuse, aber mindestens 20 Mal Hermann. Trotz des anfänglichen Protestes wurde der vor sich hin blubbernde Glibberteig dann jedoch regelmäßig gerührt (mit einem Löffel, der auf keinen Fall aus Metall bestehen durfte – zwar hab ich in der Schule Chemie als Wahlpflichtfach belegt, zu der Zeit war der Hermann-Hype allerdings vorbei, sonst hätte ich sicherlich mal gefragt, ob das Voodoo ist oder tatsächlich’n ernsten Hintergrund hat), „gefüttert“ (man kippt da regelmäßig Zucker und andere Sachen, an die ich mich nicht mehr so genau erinnere, dazu) und bedrohlich vor sich hin gärend und blubbernd irgendwo bei Zimmertemperatur gelagert, um das Ding nach x Tagen endlich in mehrere Teile zu teilen und aus einem Teil einen Kuchen zu backen, an dem trotz tagelanger „Fütterei“ fast alle Zutaten noch fehlten und der irgendwie nicht anders schmeckte, als jeder andere Kuchen, wenn man genügend Smarties drin versenkte, wie das damals gefühlt jeder anständige Mensch tat.

Die restlichen Teile von dem Ungetüm versuchte man, mitsamt einer bei irgendeiner Büro-Verwandtschaft schlecht kopierten, von Generationen von mitkopierten Teigspuren gezierten Anleitung unter die Leute zu bringen, was selten vollständig gelang und einen zu leicht zur nächsten Runde „Hermann“ verleitete, die infolge des vollständig gleichen Versuchsaufbaus in der Regel nicht anders endete. Irgendwann hat man die Reste verbacken oder eingefroren (ich würde wetten, dass in irgendwelchen Tiefkühltruhen bei irgendwelchen Leuten, die seltener umziehen, als ich, noch Hermänner in Tupperdosen verweilen, ohne, dass dem eine Straftat vorausging), nur, damit drei Tage später der nächste mit so einem Glas um die Ecke kam.

Ich fand das gefühlt schon damals hygienisch ein wenig suspekt und habe mir gründlich ausgesucht, von wem ich mir das Ding jeweils habe unterjubeln lassen – da „Hermann“ aber üblicherweise keinen Stammbaum in der Grundausstattung mit sich führt, war das wohl eher ein verzweifelter Versuch, sich die Sache schönzureden.

Unabhängig davon, dass ich in den letzten Jahren und Jahrzehnten weitere Spleens erworben habe, die mich von sowas abhalten sollten (Mit dem Pferd abwechselnd vom Apfel abbeißen? – Kein Ding! Den Hund vom Nachbarn von der Gabel probieren lassen? – Besser, als die Käseschlontze deswegen an den Fingern zu haben! „Kann ich mal aus deinem Glas probieren?“ / „Magst Du mal von meinem Teller probieren?“ – DA kommt es dann schon drauf an, um wen es sich handelt… und: Bei Kochlöffeln und Schneidebrettern aus Holz isses dann komplett vorbei… aber ich schweife ab, vielleicht sollte ich darüber mal einen separaten Blogpost verfassen?) – wie wäre es denn mal wieder mit so’nem Hermann? Ich meine -in Zeiten einer globalen Pandemie scheint das eigentlich undenkbar, aber vielleicht gehen wir das demnächst mal an? Vielleicht, sobald die Friseure mal wieder öffnen, nur, um sich da mal’n Ziel zu setzen? Wäre da wer dabei? Übergabe geht ja auch kontaktlos und die Anleitung würde ich in der heutigen Zeit wohl ohnehin per E-Mail oder Messenger senden.

Der ultimative Stadt-Land-Vergleich – heute: Die Sache mit der Axt

Der Unterschied zwischen dem Leben auf’m Dorf und dem Leben in der Stadt ist nicht wegzudiskutieren – wer könnte das besser beurteilen als ich? Geboren in einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern, habe ich anschließend 25 Jahre lang abwechselnd am „inneren“ und am „äußeren“ Rand der schönsten Stadt der Welt gelebt und gewirkt… war es außerhalb der Stadt, schlug man zweimal lang hin und lag auf’m Acker, war es innerhalb der Stadt, lag man nach Vollführung desselben Kunststückes im U-Bahn-Schacht.

Die schönste Stadt der Welt
© 2011 Cindy von mondscheintomate.de noch lange, bevor es mondscheintomate.de überhaupt gab

Schließlich lebe ich jetzt auf so’nem richtigen Dorf… so einem, über das man sagen würde: „Das Leben auf dem Dorf ist irgendwie überall gleich.“ Es gibt in manchen Gegenden echt Dörfer, die nicht nur „Klein-Mucklingen“ und „Groß-Mucklingen“ oder „Alt Hintertupfingen“ und „Neu Hintertupfingen“ heißen – nein, es gibt in manchen Gegenden sogar „Klein Klöttersdorf 1“ und „Klein Klöttersdorf 2“ oder „Dödelsdorf“ und „Dödelsdorf Ausbau“ – vermutlich, weil’s schlicht egal ist, wo genau man nun wohnt.

Egal, wo man hinfährt – es gibt wohl auch in beinahe jedem Dorf eine Hauptstraße – alternativ heißt die Dorfstraße oder es gibt beides, sieht aber eigentlich immer ähnlich aus: Meist das Gegenteil von „vierspurig ausgebaut“, ein Rinnstein, den regelmäßig irgendein ortsansässiger Rentner akribisch sauberprökelt, ein paar Häuser, je nach Gegend durchschnittlich in mehr oder weniger gutem Zustand, Vorgärten von „Marke Wildwuchs“ bis „Marke nagelscherengetrimmter Golfrasen“ und immer wohnt irgendwo einer, der den ganzen Tag am Fenster sitzt, einer, der nie da ist, einer, den keiner im Dorf mag, eine lebende Dorfzeitung und wenn da noch mehr Leute wohnen, dann neben zweien, die sich regelmäßig in die Wolle kriegen meistens eine Menge vorwiegend durchschnittlicher Menschen… aber wir schweifen ab, wollten wir uns doch mit dem Unterschied zwischen dem Leben auf dem Dorf und in der Stadt beschäftigen.

Ich nenne mal ein Beispiel: Lauft doch einfach mal mit ’ner Axt durch die durchschnittsdeutsche Großstadt – da kommt man wenn’s gut läuft wohl etwa 500 m weit und dann sitzt man (womöglich mit der Acht auf’m Rücken) bei den netten Damen und Herren von der Rennleitung im Hörnertaxi, weil die annehmen, sie hätten gerade den Axtmörder von letzter Woche weggefangen. Game over, das war’s.

Tut man hingegen haargenau dasselbe auf dem Dorf, loben einen auf 5 km drei Leute dafür, wie fleißig man doch sei und einer macht’n Witz darüber, ob man bei ihm nicht gleich weiter Holz hacken könne, wenn man selbst fertig sei (haha, hihi – okay, als er vor ’nem halben Jahr einen äquivalenten Spruch zu einer Aktion mit’m Besen, mit dem man ja gleich bei ihm weiterfegen könne, brachte, war das noch ziemlich lustig, aber seit darauf schon „Wechselst meine Räder auch gleich, haha?“ und „Ich hab auch noch Glas zum Container zu bringen, hihi, mach hier doch weiter!“ folgten, hat sich das irgendwie abgenutzt). Der fünfte, den man schließlich trifft, fordert einen auf, kurz zu warten, geht in’n Schuppen, kommt mit noch so’ner Axt wieder und fragt, ob man die nicht geschenkt haben möchte, die hat er im Grunde über und die ist ja auch echt noch gut.

Mehr Leute trifft man dann auf den 5 km auch nicht, außerdem muss man dann schnell nach Hause gehen, sonst muss man mit dem Ex-Besitzer seiner Zweitaxt, die einem soeben anheimgefallen war, noch’n Schnaps trinken, und im schlimmsten Fall kommt noch’n Nachbar, der (seinerseits nach fünf Schnäpsen, die er dann mitgetrunken hat) mit seinem neuen Holzspalter noch kurz mithelfen will.

Wo ich nun lieber wohne? Ich kann es gar nicht sagen, beziehungsweise – das lässt sich auch einfach nicht so eindeutig feststellen. Natürlich mag ich die Landschaft hier, und das heißt wohl nicht ohne Grund Land- und nicht Stadtschaft. Die Möglichkeiten, die man hier hat, wenn man sich mit Pferden beschäftigt, sind toll, die Leute sind entspannt, auch, was für andere Leute bisweilen nervige Hobbys angeht, weil man hier in der Regel nicht mit dem Ohr an der Wand zum Nachbarn schlafen muss – und doch bin ich meistens froh, nicht so weit von der schönsten Stadt der Welt weg zu wohnen und manchmal traurig, dass keine ihrer Postleitzahlen mehr in meinem Ausweis steht.

Zehn Schritte zur perfekten Hühlusion

Ihr fragt Euch seit langem, ob so ein eigenes Pferd nicht etwas für Euch wäre? Schließlich wart Ihr als Kinder mal auf dem Ponyhof und hattet ein paar Monate Reitunterricht – und das sieht doch alles so schön und einfach aus?

Kommen wir hier also zum Test, ob das wirklich das richtige für Euch ist – im Grunde also zur perfekten Hühlusion in zehn Schritten:

1. Zieht Eure Schuhe irgendwo durch den Dreck – je aromatischer, desto besser: Ein Matschloch ist nicht schlecht, ein Güllebecken ist deutlich besser. Macht das am besten bei Regenwetter, so dass die Dinger auch mit rein müssen, stellt sie auf die Fußmatte und freut Euch über den olfaktorischen Genuss.

2. Setzt Euch stundenlang draußen hin – bei starker Hitze ist es schon ganz gut, bei Regen, Schnee oder Schneeregen ist es deutlich besser. Schaut alle paar Minuten auf Euer Handy, ob sich Tierarzt, Sattler, Hufschmied etc. gemeldet haben – okay, das wird nicht passieren, weil Ihr keinen Termin habt… das geht uns aber auch mit Termin oft nicht besser.

3. Besorgt Euch Haare. Haare sind wichtig: Verteilt sie überall, in Eurem Auto, in der Waschmaschine (besonders wichtig), in der Sofaritze (auch bei anderen Leuten) und vor allem auch überall, wo Ihr nie mit Pferdeklamotten hingehen würdet. Pferdehaare haben nämlich die Angewohnheit, eigenständig zu wandern… durch ihre Mobilität sind sie quasi überall, die müssen irgendwo kleine Beine haben oder kriechen wie ein Wurm – genau erforscht ist das allerdings noch nicht.

4. Sehr ähnlich zu den Haaren verhält es sich mit Heu – auch das verteilt sich selbsttätig überall. Besorgt Euch also einfach irgendwo eine Handvoll Heu, tut sie in Eure Jacken- oder Hosentasche (warum auch immer, aber auch da finden wir Pferdeleute immer Heu) und lasst den Dingen ihren Lauf.

5. Besorgt Euch einen Pferdeappel. Einen echten. Mit so einem Pferdeappel ist man dann schon auch rein physisch im Grunde maximal dicht dran am Pferd. Nehmt das Ding dann ab und zu in die Hand, tragt es ein bisschen herum und habt einfach direkten Kontakt dazu – dass das Ding immer älter wird und sich in Farbe und Konsistenz verändert, ist übrigens Teil der Übung. Okay – das machen wir Pferdeleute so direkt zwar nicht, aber wo so’n Pferd überall mit Körperstellen war, die wir hinterher anfassen und was genau das für Dreck ist, den wir aus dem Fell putzen, wissen wir auch nicht immer so genau. Obwohl: Seit ich als Zweitpferd (das übrigens alle in diesem Posting erwähnten Faktoren aus irgendeinem Grund nicht etwa ungefähr verdoppelt, sondern gefühlt verfünffacht) mehr oder weniger stolze Besitzerin eines Schimmels bin, weiß ich das anhand der Farbe des Drecks am Pferd schon relativ genau und bin auch immer wieder mal erstaunt.

6. Stellt Euch mindestens einmal im Monat irgendwas richtig Schweres auf den Fuß – einen Amboss, einen LKW, einen lebenden Elefanten… was immer Ihr gerade zur Hand habt. Wenn Ihr meint, Ihr seid schlau und habt Schuhe mit Stahlkappen an, stellt Euch das gewählte Objekt so auf den Fuß, dass die Stahlkappe nur den Schuh schwerer macht, aber bei Eurer Aktion keinen Schutz bietet.

7. Schränkt Euch in Eurem Kühlschrank ein – genauer gesagt: Räumt alle Fächer bis auf eins aus. Kauft Unmengen an Möhren und Äpfeln und bestückt die restlichen Fächer damit. Widersteht dem Bedürfnis, was von dem Zeug selbst zu essen, sondern verschenkt es zum Beispiel – Ausnahme: Wenn der Apfel nicht mehr so schön aussieht, dürft Ihr selbst mal abbeißen, denn den würde man dem Hüh schließlich auch nicht mehr zumuten wollen.

8. Lauft bei Kälte und im Winter mit einer Schubkarre draußen spazieren. Das Ding sollte voll und schwer sein – am besten macht Ihr einfach Wasser rein, dann werdet Ihr ein bisschen nass dabei, was dem authentischen Winter-Wasserschlepp-Stallfeeling sehr nahe kommt.

9. Verbrennt täglich ein wenig Geld – der eine oder andere Schein darf es schon sein. Mindestens einmal im Monat verbrennt eine größere Menge Geld. Redet Euch ein, dass das jetzt Euer Hobby ist.

10. Das geht jetzt im Grunde ganz automatisch: Betreibt alle oben genannten Punkte in Eurer Freizeit, denn Freizeit = Hühzeit. Date in der Cocktailbar? Fehlanzeige, ich muss noch misten. Letzte Chorprobe vor dem großen Auftritt? Ohne mich, der Tierarzt kommt!

Wenn Ihr diese zehn Punkte ohne Schwierigkeiten umsetzen könnt, dann gratuliere ich: Der Anschaffung eines eigenen Pferdes steht eigentlich nichts mehr im Wege!

Homeoffice 2.0 – heute: Die Videokonferenz. Oder: Wenn Vorstellung und Realität auseinanderklaffen

Die Vorgeschichte: Ich mache die anstehende Videokonferenz einfach im Homeoffice… da hab ich meine Ruhe, die Leitung ist stabil und ich muss nicht erst extra ins Büro eiern – so meine naive Vorstellung vom Ganzen.

Die Idee: Ich setz mich einfach vors Drumset… haben die anderen mal was zu gucken und man kann vorher scherzen, dass sich gute Redebeiträge endlich angemessen in Szene setzen ließen… badumtsssss!

Ja, witzige Vorstellung.

Total witzige Vorstellung.

Was haben wir gelacht!

Die Realität: Sogar die Technik funktionierte und der Teilnahme an der Videokonferenz stand nichts im Wege. Zu Anfang der ganzen Veranstaltung hinters Schlagzeug geklettert, weil der Snare-Teppich noch klötterte – eindeutiger Anfängerfehler. Am Fuß der Standtom hängengeblieben, weil der Hocker im Weg stand (irgendwo muss man die notwendigen Kaltgetränke, um ein solches Unternehmen schadlos zu überstehen, ja lagern). Sah sicher wenig elegant aus und war irgendwie weniger witzig als die musikalische Begleitung, über die ich vorab gescherzt hatte.

Wie oft man mit den Haaren in den Chimes hängenbleibt, wenn man auf der falschen Seite des Drumsets sitzt, hatte ich darüber hinaus übrigens auch deutlich unterschätzt… ich weiß schon, warum ich im Normalfall auf der anderen Seite von dem Ding sitze!

Eine Frage noch am Rande: Ist es eigentlich ein Arbeitsunfall, wenn man im Homeoffice mit dem Bürostuhl an dem ollen Lappen, der aus Gründen von Antirutsch unter dem Schlagzeug liegt, hängenbleibt? Frage für einen Freund.

Künstliche Intelligenz

Das mit der künstlichen Intelligenz ist ja so eine Sache… ich habe auf Messen, auf Videos und so weiter zwar schon Sachen gesehen, die echt beeindruckend waren, und vom Roboter im von mir favorisierten Elektronik-Fachgeschäft lasse ich mich immer wieder gern auch zu Produkten begleiten, von denen ich zumindest ahne, wo ich sie finde – einfach, weil es so toll ist.

Soooooooooo weit ist das allerdings anscheinend alles doch noch nicht: Personalisierte Werbung mag eine gute Idee sein, aber gerade mir Werbung für Hufschuhe anzuzeigen, obwohl ich das Konzept hinter Hufschuhen für Pferde zwar irgendwie nachvollziehen kann, nach einem Versuch vor Jahren damit allerdings nichts mehr zu tun haben will, weil die Umsetzung, ein Schühchen an einen nahezu runden Huf, der den Kontakt zwischen etwa einer halben Tonne Pferd und Gottes schöner Erde herstellen soll, zu montieren, zumindest Herausforderungen mit sich bringen könnte? Das war nicht besonders sinnvoll, mein Schmied wird es schon richten.

Und überhaupt – wie wäre es stattdessen denn mal mit natürlicher Intelligenz? Ich kenne ja Leute, die nehmen ihr Telefon mit aufs Klo… und wahrscheinlich kenne ich von dieser Spezies sogar mehr, als ich glaube. Was tut Ihr dort damit? Habt Ihr ’ne App zum Spülen? Braucht man das? Mache ich was falsch? Habe ich das wahre Potenzial meines Telefons (oder des Toilettenbesuchs) nur noch nicht erkannt?

Ich habe mal ein bisschen darauf geachtet, was der eine oder die andere so für Helferchen auf seinem Telefon nutzt oder was mir so mittels Werbung angeboten wird… das ist schon spannend: Es gibt zum Beispiel Apps, mit denen man dokumentieren kann, was man am Stall gemacht hat… wahrscheinlich geht es da um Pferdetraining. Was sollte ich da dokumentieren? Kacke gesammelt, Kacke gesammelt, Pferd weggescheucht, das die fast volle Schubkarre umgeschmissen hat und dann weiter Kacke gesammelt, Wasserbottich geschrubbt, dem Pony die dafür verwendete Klobürste wieder weggenommen, Wasserbottich vollgemacht und mit dem Pferd zum Container geritten – Altglas wegbringen? Ich weiß nicht genau, wem eine solche Dokumentation warum helfen sollte, die Werbung, die mir das Ding gezeigt hat, hat bei mir jedenfalls ihr Ziel verfehlt.

Als nächstes war da die App, mit der man festhalten konnte, wann man Kopfschmerzen hat. Warum man das tun sollte, leuchtet mir ja sogar noch ein, aber wenn ich ein „K“ in meinen Kalender schreibe oder meinetwegen ein kleines Gehirn male, tut das noch der Motorik gut, ist bei Kopfschmerzen bestimmt nicht so schlecht, wie auf dem Telefon rumzuklöttern und am Monatsende kann ich das ganz wunderbar händisch auszählen (und wieder hat mein Hirn gearbeitet).

Die Sache mit dem Kalender in Verbindung mit der Körperfunktion führt mich unweigerlich zum nächsten Thema: Gefühlt jeder zweite in meinem Alter hat jetzt so’ne Smart Watch: Ich habe gerade mal ’ne normale Uhr um, wenn ich an sie denke (wobei – normal ist die ja eigentlich gar nicht mehr… ich mag automatische und Handaufzugs-Uhren, da ist noch Mechanik anstatt einer Batterie drin) und Eure Uhren lesen Euch die Nachrichten vor, wissen, wie weit Ihr gelaufen seid und messen permanent Euren Puls? Warum? Kann Euch das Ding auch reanimieren, wenn was nicht stimmt oder ruft es wenigstens selbst einen Arzt an?

Nee, nee – irgendwie ist das für mich alles noch nicht ausgereift genug, und von daher bin ich vorerst weiterhin für mehr Hirn und weniger Technik, die ersteres mehr schlecht als recht ersetzen kann.

Homeoffice oder: Wenn du zum Arbeiten nicht mal mehr ’ne Hose anziehen musst

Das Corona-Virus hat uns ereilt – also irgendwie nicht so richtig, denn wir sind hier schließlich noch immer auf’m Dorf. Immerhin waren aber in der nächsten Stadt H-Milch, Konserven und Klopapier kurzzeitig knapp und wir hockten soweit möglich größtenteils im Homeoffice.

Für alle, die das selbst noch nicht erlebt haben: Homeoffice ist, wenn du zum Arbeiten nicht mal mehr ’ne Hose anziehen musst, wenn die Verpflegung trotz erster coronabedingter Lebensmittelknappheit um Längen besser ist, als in der Kantine des Büros und wenn Du Dir fragen stellst wie: „Ist es eigentlich ein Arbeitsunfall, wenn ich jetzt mit dem Laptop aus’m Bett falle?“ Hört sich eigentlich ganz gut an, könnte man meinen?

Sooooo witzig und toll wie gedacht ist das aber irgendwie bei näherer Betrachtung leider gar nicht: Ich wollte in meiner (zugegeben nicht allzu langen) Homeoffice-Zeit wirklich gern „richtig“ arbeiten, denn es nervt tierisch, wenn man seinen Kram nicht wie geplant fertig kriegt, weil von den Leuten, mit denen man dringend Absprachen treffen müsste, die eine Hälfte nicht erreichbar ist und die andere Hälfte gerade andere Sorgen und Nöte hat als das, was mein Job vorsieht.

Weil der Pandemie-Modus im Grunde fast überall gleich ist, sind die Leute überall anders halt auch im Homeoffice – und das ist das nächste Problem: Da kommt der eine mit seiner Technik nicht klar, der andere hat keinen Handyempfang – Telefonkonferenzen sind an der Tagesordnung und „Hallo?! Hört ihr mich?“ ist der Satz, der am häufigsten fällt… und schon merkt man mal, wie produktiv man sonst eigentlich ist.

Ich hatte in der ganzen Sache noch viel Glück… Sozialpädagogen sind vielseitig einsetzbar, und so saß ich nach zwei halben Tagen Homeoffice übergangsweise an einem anderen Arbeitsplatz… was das Problem mit meinem eigentlichen Job nicht löste, denn alle anderen waren nach wie vor zu Hause, normales Arbeiten war nicht möglich und irgendwie war’s trotzdem blöd, obwohl ich was Sinnvolles zu tun und wieder ein richtiges Büro hatte.

So langsam kehrt hier jetzt Normalität ein… viele Leute sind wieder erreichbar, die ersten größeren Meetings und Veranstaltungen können wieder geplant werden und ich hoffe, dass wir uns nicht döschig genug anstellen, um den ganzen Tanz nochmal durchziehen zu müssen.

Eins aber ist völlig klar: Mein ursprünglicher Traum vom Homeoffice ist ausgeträumt… das ist eindeutig eins dieser Dinge, die nur von weitem gut aussehen… so wie Erwachsenwerden oder Obst im Essen oder so.

Ein Jahr Mondscheintomate – was hat sich verändert?

Ein Jahr ist es nun schon her, dass wir die geniale Idee zur Mondscheintomate hatten… was hat sich seitdem verändert, und wie hat Mondscheintomate uns verändert?

Nun – zunächst einmal würde ich behaupten, dass sich „eigentlich“ nicht viel geändert hat… wenngleich ein „eigentlich“ ja immer auch ein „uneigentlich“ mit sich bringt.

Tinki berichtet immerhin hier und da davon, dass sie noch „bloggen muss“ – ich plaudere an dieser Stelle mal aus dem Nähkästchen und erzähle Euch, dass sie ihre Blogposts plant, vorschreibt, Veröffentlichungsdaten vergibt… wie gern wäre ich in irgendwelchen anderen Dingen, die nach einem Plan verlangen, so organisiert wie Tinki mit den Blogposts auf Mondscheintomate!

Nein, für mich gilt das alles irgendwie nicht… ich schreibe, wenn mir so ist, habe schon manchen Entwurf wieder gelöscht, weil ich gar nicht mehr wusste, wo ich mit meiner Textruine ursprünglich mal hin wollte, und ab und zu veröffentliche ich was… wenn mir so ist, und wenn nicht Tinki gerade was veröffentlicht oder zu veröffentlichen geplant hat und wenn ich dann auch noch Lust auf mein eigenes Lektorat habe und wenn Sonnenstand und Mondphase günstig zum Bloggen sind, also etwa einmal im Monat, manchmal aber auch mehrfach kurz hintereinander oder mal monatelang gar nicht.

Da bin ich Tinki und ihrem durchorganisierten Blog-Plan ja regelrecht dankbar… der Grund dafür ist nämlich ihrer Aussage nach, dass hier dann „regelmäßig was Neues zu lesen ist“. Was ich mich an dieser Stelle frage, ist allerdings: Für wen eigentlich? Wenn wir hier Leser haben sollten – könnt Ihr Euch mal melden? In den Kommentaren? Oder Ihr schreibt uns – sofern wir Euch so gut kennen, dass das nicht seltsam wäre – ’ne Nachricht? Messenger? Facebook? SMS? Mail? Brief? Postkarte? Telegramm? (Wie schön wäre denn mal ein Telegramm?!) Oder berittener Bote vielleicht? Wir lassen dann auch die Zugbrücke herunter…

Der Inhalt des Geschriebenen könnte jedenfalls in etwa sein: „Ich bin Leser/in von Mondscheintomate“ (idealerweise „, weil… *hier Grund einfügen*“) „!

Euer / Eure treue/r Leser/in *hier Namen einfügen*“

Ob das vielleicht ginge? Immerhin haben wir hier, weil wir keine Daten sammeln (und das tun wir glaube ich hauptsächlich deshalb nicht, weil ich das hasse… ich hab auch nicht eine solcher Punkte-Sammelkarten, obwohl ich mal fast schwach geworden wäre, als mir eine Imbissbude anbieten wollte, dort „Wurstpunkte“ zu sammeln, immerhin wäre das auch für Pommes gegangen), quasi keinen Überblick darüber, für wen wir hier eigentlich schreiben… außer für uns selbst und vielleicht noch gegenseitig füreinander.

Auch das ist aber schon ganz schön – immerhin hat man so immer ein Thema miteinander, auch, wenn man sonst gerade keins hat. Und wenn man doch noch ein weiteres Thema hat, so kategorisiert man es nach „blogwürdig“, „bloggeeignet“ und „des Bloggens nicht wert“, wobei unsere Ansichten darüber durchaus auseinandergehen, was wiederum dazu führt, dass zwischen Tinki und mir ziemlich oft der Satz fällt: „Das ist eigentlich schon wieder was für Mondscheintomate!“

Was hat sich noch verändert? Nun, hauptsächlich gehe ich meinem Lieblingsadmin, der die ganze Nummer (wohl ohne auch nur im Entferntesten zu ahnen, wozu das ganze führen würde) hier ursprünglich auf die Beine gestellt hat (also – eher auf Beinchen… das war eher so ein „Wie soll das heißen? Mondscheintomate? Echt jetzt? Ganz sicher? Na – ist ja nicht meins. So, hier haste Zugangsdaten. Mach, watte willst…“ – das hat aber schon gereicht… er hatte wohl nicht damit gerechnet, wie benutzerfreundlich WordPress ist…), damit auf den Wecker… man könnte ja noch dies als Blog umsetzen und das, und schau, wie wunderschön es ist! Dass ich meinen Einkaufszettel nicht mittels eines Blogs führe, ist eigentlich alles. Obwohl… das könnten wir eigentlich ändern: Outen sich in den Kommentaren zu diesem Blogpost mehr als, sagen wir, zehn Leute bis zum, sagen wir, 16.6.2020, eindeutig (also etwa mit den Worten: „Ich bin *Name* und ich bin Fan von Mondscheintomate!“) als Fans von Mondscheintomate, würde ich hier einmalig und exklusiv als nächstes Posting meinen Einkaufszettel veröffentlichen. Na wenn das nix ist?

Ansonsten eigentlich nix Neues hier seit letztem Jahr. Obwohl – doch. Eine Sache: Ich hab die Nummer mit den Tomaten jetzt offensichtlich drauf…

In diesem Sinne: Bleibt uns gewogen!

Corona-Special Teil 1: How to Mund-Nasen-Bedeckung

Das Tragen einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen (auch „Behelfsmasken“) ist zur Zeit vielerleiorts zu bestimmten Anlässen Pflicht. Wir bei mondscheintomate.de möchten in diesem Blogpost gemeinsam mit ein paar unserer Hofbewohner zeigen, worauf es dabei ankommt:

1. Aus einem (alten) T-Shirt lässt sich problemlos eine Behelfsmaske basteln:

Für eine Bauanleitung aber bitte nicht bei Frau Pferd nachfragen, sondern mal im Internet gucken – dort finden sich gute Anleitungen

2. Statt einer Maske kann man auch ein Tuch oder einen Schal tragen:

So bitte nicht, Herr Pferd: Auch Schal oder Tuch sollten natürlich Mund und Nase… Maul und Nüstern… na wie auch immer, halt die vorhandenen Öffnungen abdecken

3. Sofern es auch bei Euch wieder Küchenrollen zu kaufen gibt: Findige Leute haben auch daraus oder aus Servietten, Gummibändern und einem Tacker eine Einweg-Maske gebaut, die nicht viel kostet und sicher auch für ein paar Minuten Tröpfchen abhalten kann:

So wird das aber nichts, Frau Pferd: Zwar hat sie wieder eine Küchenrolle, aber an Gummibänder und den Tacker hat sie nicht gedacht

4. Kinder vor dem Schuleintritt oder Menschen, die dies aufgrund ärztlich bescheinigter Erkrankungen oder Einschränkungen nicht können, müssen laut der bei uns geltenden Verordnung keine Maske tragen:

So ist es – bei uns – richtig: Mutti trägt eine Maske, Baby noch nicht – bitte informiert Euch aber selbst über die in Eurer Gegend geltenden Regelungen

5. Das Einhalten des richtigen Abstandes ist trotzdem geboten!

Das gilt natürlich nicht in Fällen wie dem von Frau Pferd und ihrem Partner Herrn Pferd: Wer zusammen wohnt, darf natürlich auch weiterhin zusammen am Frühstückstisch sitzen… oder an der Raufe stehen…

In diesem Sinne: Bleibt gesund und fröhlich!

Eure Mondscheintomaten-Mädels und -Hühs

DISCLAIMER: Beim Verfassen dieses Blog-Eintrags samt Fotoshooting kamen natürlich weder Mensch noch Tier zu Schaden – wir hatten nur gemeinsam viel Spaß (natürlich im gebührenden Abstand) und es gab einige Extra-Möhrchen und Leckerlies dafür, dass unsere Ponys den kleinen Spaß so toll mitgemacht haben.

Der Strich

In Zeiten des Corona-Virus ist ja für viele Menschen vieles anders, und auch für mich hat sich natürlich etwas geändert. Im Wesentlichen ist das zur Zeit mein Arbeitsweg.

Ich weiß also gar nicht so genau, wie lange die Sache mit dem Strich vorher schon ging, aber bereits vor geraumer Zeit kündigten sich auf meinem temporären Arbeitsweg sogenannte „Markierungsarbeiten“ an – auf Normaldeutsch: Die wollten da’n Strich auffe Straße malen.

Nun weiß man irgendwann aus Erfahrung, wie die durchschnittsdeutsche Baustelle zumindest für Außenstehende zu funktionieren scheint: Da kommen welche und stellen Schilder auf, nur wenige Wochen später stellt dann irgendwer Maschinen dazu und dann passiert offensichtlich zunächst ein halbes Jahr lang gar nichts, bis die Straße dann komplett gesperrt wird und irgendwann auch mal irgendwer mit irgendwelchen Arbeiten beginnt.

Nicht so im Fall von „unserem“ Strich.

Schon wenige Tage, nachdem sie angekündigt waren, begannen sie – die Markierungsarbeiten. Fleißige Menschen haben zunächst die Straße vermessen und irgendwelche Behelfsmarkierungen auf selbige gepinselt, bis es dann eines Tages soweit war: Zwei Mann waren auf so’ner Strichmalklötter unterwegs (einer fuhr das Ding, der andere hatte ’ne Kippe im Mund und schien im Wesentlichen damit beschäftigt, den Strichmalvorgang zu beobachten). Der gesamte Versuchsaufbau stank übrigens entsetzlich.

Woher ich das so genau weiß? Nun ja – ein jeder konnte Zeuge dieses Srichmalvorgangs werden, denn neben den Schildern warnte nur ein Mensch in orangenen Klamotten vor den „Markierungsarbeiten“.

Persönlich.

Jeden einzelnen – denn er hielt jedes Fahrzeug an und forderte mit Nachdruck ein, dass jeder Autofahrer die Scheibe herunterließ, um dann mit engelsgleicher Stimme zu äußern: „ABER NICHT ÜBER DEN STRICH FAHREN, DEN HAMWA GERADE NEU GEMACHT!!“

Ein „Ich riech’s…“ konnte ich mir wohl gerade noch verkneifen, nicht aber ein: „Dann wisst Ihr ja jetzt, wie’s geht!“

Und unter diesen widrigen Umständen malte und miefte man dort unbeirrt vor sich hin, vermalte sich wohl auch hier und da (oder ist gar trotz der freundlich vorgetragenen Bitte, davon Abstand zu nehmen, etwa jemand über den Strich gefahren? Auf einer Straße wie der mit dem Strich, die zum großen Teil von landwirtschaftlichen Fahrzeugen, die im Allgemeinen etwas breiter sind, als der Durchschnitts-PKW, genutzt wird, wäre dies ja zumindest nicht völlig abwegig…) und malte dann in schwarz wieder über, wo ein Strich war, aber keiner sein sollte… und nun isser wohl fertig, der Strich.

Beispielbild eines Striches – Abbildung ähnlich

Besonders schön ist er halt nicht geworden, besonders gerade auch nicht, und irgendwie fehlt hier und da ein Stück, aber immerhin ist er ein Unikat, ein Kunstwerk von Menschenhand geschaffen – und ich durfte quasi live dabei sein, den Strich in seinem Werden beobachten, Erfolge und Misserfolge unmittelbar miterleben… ich war im Grunde Teil des Strichmalvorgangs, und zweimal täglich darf ich dieses Wunderwerk deutscher Fahrbahnmarkierungskunst nun bewundern… das ist ja auch was für die Seele, und das alles wäre mir nie vergönnt gewesen, hätte man einfach’n halben Tag die Straße gesperrt!

Ich werde sicher noch sehr oft an ihn denken, wenn ich wieder in meinem eigentlichen Büro arbeiten kann, und bestimmt fahre ich ihn auch mal besuchen, denn ein zartes Band aus Strichmalduft und den warmen Worten des freundlichen Bauarbeiters verbindet uns… mich und „meinen“ Strich.

Tick tack! Oder: Vom größten Vorteil einer konventionellen Armbanduhr

Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich ja beschlossen, wieder eine Armbanduhr tragen zu wollen… ja, das Handy zeigt auch die Zeit an, aber nachdem es mal cool war, das kleinste Handy zu besitzen, als ich noch weniger grau war als heute, werden die Dinger nun immer größer. Diese Tatsache zusammen mit dem Fakt, dass ich mit meinem früheren Handy’n Loch in die Fliesen schmeißen konnte, wenn mir das Teil aus der Hand gedonnert ist und die neuen Plietschfons (das ist übrigens das offizielle Wort für „Smartphones“ op Platt, und ich finde, dieses Wort wird viel zu selten genutzt) zum größten Teil empfindliche Mimöschen sind, führt dazu, dass mein Handy im Grunde genommen sowas wie ein Festnetz-Telefon ist, das eigentlich immer an seinem Platz liegt… das bringt zur Zeitanzeige mal wenig bis nix.

Ich schweife ab.

Kommen wir zurück zur Uhr – die ich mir tatsächlich angeschafft habe, was im Grunde ein eigenes Kapitel von ’ner Menge zum Teil irgendwann genervten Leuten, unfreundlichen und wenig kompetenten Verkäuferinnen, Falschlieferungen, unpassenden Armbändern und einigen Reisen hätte wert sein könnte, wenn das jetzt nicht alles fast vergessen wäre – ich habe sie nämlich: Meine Uhr.

Und das übrigens, obwohl meine andere Hälfte mir wohl schon tausendfach unterstellt hat, ich hätte eine selbige gefressen, denn wenn man mich fragt, wie spät es ist, antworte ich gern sowas wie: „Sechzehn Uhr siebenunddreißig!“ Meist liege ich auch, wenn ich vor Stunden das letzte Mal auf die Uhr geguckt habe, nur um wenige Minuten daneben, wenn es mir gut geht, ich wenig Stress habe und seltsamerweise besonders dann, wenn ich mich an gewohnten Orten aufhalte. Schönes Talent also, das mir in den wenigsten Fällen mehr bringt, als dass es irgendwelche Leute beeindruckt, während es versagt, wenn’s wirklich wichtig ist.

Kommen wir aber von der „Story of my life“ abermals zurück zur Uhr:

Das beste daran, wieder regelmäßig’n Wecker am Arm zu tragen, ist – um das nochmal zusammenzufassen – jedenfalls nicht, dass man immer weiß, wie spät es ist… meistens hab‘ ich auch neben dem Telefon noch irgendein anderes Gerät in der Nähe, das das wüsste, weil man als Schreibtischtäterin auch, wenn man Singen und Klatschen studiert hat, meistens vorm Rechner sitzt. Gut – oft mit Wachsmalkreiden oder bunten Filzstiften (gelernt ist gelernt), aber dennoch vorm Rechner, und auch der weiß, welche Stunde geschlagen hat.

Das beste an ’ner Uhr ist auch nicht, dass ich das Teil irgendwie ganz schön finde oder dass es gar irgendwem auffiele: Die coolen Leute tragen heute offensichtlich so’ne Smartwatch und können auf der Uhr, die sie dann wie das Telefon dauernd aufladen müssen, dasselbe sehen, wie auf dem Telefon – der Sinn hat sich mir irgendwie nie erschlossen. Dass es überhaupt „richtige“, mechanische Uhren gibt, ist den meisten Leuten in meinem Alter gefühlt irgendwie gar nicht bekannt – mit irgendwas rumzuprollen, ist für mich allerdings in den seltensten Fällen ein Kaufkriterium für irgendwas, und wenn doch, dann nicht für Dinge, die ich zu neunzig Prozent unterm Pulloverärmel trage… wie dem auch sei: Der Coolness-Faktor ist da in meinen Kreisen irgendwie nicht so hoch und für mich eh in den seltensten Fällen ein Grund für irgendwas.

Nein – der wahre Vorteil einer „richtigen“ Uhr zeigt sich offensichtlich genau zweimal im Jahr: Normalerweise gucke ich zu Anlässen wie dem heutigen (ja – es ist mal wieder Zeitumstellung) nach dem Aufwachen wie die Kuh wenn’s donnert irritiert abwechselnd auf alle Zeitanzeiger, die mein Hausstand zu bieten hat – meist, um festzustellen, dass diese alle mehr oder weniger dieselbe Zeit anzeigen. Hat sich hier jetzt alles umgestellt oder gar nix? Immerhin hat der Funkwecker schlechten Empfang, Windows ist relativ neu aufgesetzt und das Telefon ist insgesamt noch ziemlich neu (empfindliche Mistdinger – Ihr erinnert Euch).

Nur heute war alles anders: Ein Blick auf die Uhr und der Sachverhalt war klar.

Nur stellen musste ich sie dann natürlich noch… aber dieser „Nachteil“ ist ja wie bereits beschrieben eigentlich der größte Vorteil.