Was wächst? Quasi alles! Bei mir auf jeden Fall das Gras. Und das Unkraut wächst auch. Mit solchen Dingen wächst mitunter auch der Frust. Ich bin noch damit groß geworden, dass ein aufgeräumtes Grundstück und vor allem ein gemähter Rasen anzeigen, dass man sein Leben im Griff hat. Turns out – auch Menschen, die eine hübsche Fassade und einen englischen Rasen haben, haben ihr Leben nicht im Griff; also jedenfalls nicht den Teil auserhalb des Rasens.
Man kann also nicht von dem einen auf das andere schließen. Diese Erkenntnis ist in allen Lebenslagen wichtig. Wer schön redet, hat eventuell einen schlecht gemähten Rasen. Und Menschen wie ich, mit meinem naturnahen Garten, haben ihre E-Mails im Griff. Irgendwie sind wir alle nischenbegabt.
Schade ist es, wenn sich darum gestritten wird, ab wann jemand im sozialen Leben ein Problem ist. In manchen Gegenden hat man das Gefühl, man sei ein soziales Problem, weil man seinen Rasen nicht mäht. Dort wo ich wohne, ist das bei den meisten Nachbarn nicht so, aber es gibt Ausnahmen. Ich nenne das die unsichtbaren Regeln, oder die „Das macht man nicht.“.
Es wird einem das Gefühl vermittelt, die unsichtbaren Regeln wären früher einheitlicher gewesen und konsequenter durchgesetzt worden. Liebe Leute – das ist nicht so. Früher zog man nur nicht soviel um. Das Problem war schon immer da. Die Frage ist eher – Wächst das auch?